Wie die Pandemie unseren Alltag verändert

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BERN WEST UND DAS CORONAVIRUS – Überall sichtbar: die behördlichen Massnahmen, Schutzkonzepte, Homeoffice, Maskenpflicht und andere Einschränkungen im Kampf gegen das tückische Virus.

Die BümplizWoche wollte wissen, wie Personen damit umgehen, deren Beruf den täglichen Kontakt zu anderen Mitmenschen erfordert. Selbstverständlich trugen alle Beteiligten bei der Befragung eine Gesichtsmaske. Nur für das Bild wurde sie kurz abgenommen.

Elisabeth Beyeler
Jeden Morgen fährt sie los und besucht Firmen, Organisationen und Behörden mit ihrem Znüniservice. Wo sich früher viele Büroleute dicht um ihr Angebot drängten und sich selber bedienen konnten, gibt es heute ganz diszipliniert eine lange Schlange. Einzeln wird die gewünschte Zwischenverpflegung abgegeben. Der Lockdown mit leeren Büros liess den Umsatz anfänglich massiv einbrechen. Elisabeth Beyeler steckte dann einen Flyer in die Briefkästen rund um ihren Kellerladen. Und, oh Wunder, die Leute strömten herbei, meist mittags, wenn alles Übriggebliebene vom Znüni zum halben Preis verkauft wird. «So habe ich viele neue, interessante Leute kennengelernt.» «Auf mein Privatleben hat die Pandemie eher einen kleinen Einfluss. Klar gibt es keine Verwandtenbesuche mehr, aber sonst leide ich nicht unter den Einschränkungen», meint die gelernte Bäckerin. «Impfen? Vorläufig nicht! Da ist der Nutzen noch zu wenig sicher. Ich kann warten.» Und wenn einmal dieser Alptraum zu Ende ist? «Oh, dann gehe ich sofort ins Wellness-Studio und geniesse Bewegung und Entspannung zusammen mit Freunden. Das wird mir guttun.»

Martin Krattinger
Im beruflichen Alltag eines Bestatters hat sich nur bedingt etwas geändert, berichtet Martin Krattinger. «Hygienevorschriften hatten wir schon vor der Pandemie. Mit den anderthalb Metern Abstand und den meist kleinen Räumen muss man die Personenanzahl bei einem Trauergespräch begrenzen.» Da sei es schwierig, allen gerecht zu werden. Das sei die grosse Herausforderung. Trauernde seien unsicher. «Sie wissen nicht, was möglich ist und was eben nicht. Trauerfeiern erfordern neu Listen von allen Beteiligten. Beim Einbetten von Verstorben mit einem positiven Covid-Test tragen wir zusätzlich einen Schutzanzug.»

Martin Krattinger führt derzeit Bestattungen anders durch als sonst.

Und privat? «Zurzeit treffen wir uns nur in kleinen Gruppen. So hat das Weihnachtsfest und auch der Geburtstag unseres Sohnes in einem ganz bescheidenen Rahmen stattgefunden.» «Was das Impfen betrifft, bin ich mir noch unsicher. Ich denke, ich werde im Moment noch warten. Die kurze Zeit mit dem Erproben der Nebenwirkungen veranlasst mich zur Zurückhaltung.» Weiter fehlt Krattinger der Fussball. «Selber trainieren und anschliessend gemeinsam zu trinken und zu diskutieren, und auch wieder live Fussball mit viel Publikum zu schauen, das wäre toll.» «Wenn wir die Pandemie einmal im Griff haben, dann werde ich mich rasch wieder mit Verwandten und Freunden treffen. Darauf freue ich mich jetzt schon», sagt der Bestatter.

Brigitte Gosteli
Wer Betagte betreut, kennt kein Homeoffice. «Ich besuche als Haushaltshilfe von Vitadoro täglich Senioren, die sich nur noch eingeschränkt um ihren Haushalt kümmern können. Da gibt es überall etwas anderes zu tun. Für die eine Kundin mache ich die Einkäufe, anderswo braucht die Katze spezielle Aufmerksamkeit, vor der Arbeit natürlich.» Beruflich habe sich verändert, dass sie den ganzen Tag mit Maske arbeite. «Das ist sehr anstrengend und erschwert das Atmen. Ich desinfiziere mehrmals die Hände und arbeite immer allein in jedem Raum. Was auffällt: wo früher noch ein fröhlicher Schwatz mit den Bewohnern möglich war, erlebe ich heute oft eine bedrückte Stimmung.»

Auch die Katze will verwöhnt werden: Brigitte Gosteli kümmert sich.

«Die Älteren haben den Verleider. Da sollten wir vermehrt geduldig zuhören, ein Merkblatt erklären oder auf Positives hinweisen», sagt Gosteli. «Seit dem Corona-Ausbruch gibt es weniger Verkehr. Und frühmorgens auf dem Arbeitsweg höre ich die erwachenden Vögel, erst die Rotkehlchen, dann die Amseln und später die Meisen. Das macht Freude.» Privat sorgt sich Brigitte Gosteli um ihren Vater im Altersheim. Der tägliche Anruf ist ein schlechter Ersatz für die persönliche Begegnung. «Er fühlt sich eingesperrt und das tut weh.» Und was wird sie tun, wenn einmal die Pandemie vorüber ist? Sofort kommt die Antwort: «Da fahre ich in die Berge! Wieder einmal über Bergwiesen wandern, in der Alpenluft dem Alltag entrinnen – davon träume ich!»

Bernhard Gerber
«Als Hausarzt gehöre ich zu den Glücklichen, die immer ihrer beruflichen Tätigkeit nachgehen konnten. Die Arbeit ist durch die Coronakrise etwas mehr geworden. Durch das Thema Corona haben wir jedoch etwas mehr administrativ zu tun. Und auch die von uns durchgeführten Coronatests geben etwas mehr Arbeit als gewohnt. Zudem gilt es, das Schutzkonzept zu überwachen und ständig anzupassen.» In der Familie des Arztes versucht man, sich aus gesundheitlichen Gründen etwas aus dem Weg zu gehen und sich aber auch gegenseitig zu unterstützen. Stark verändert hat sich die Freizeit von Gerber. «Mir fehlt die Geselligkeit mit Familie und Freunden, einen YB- oder SCBMatch zu besuchen oder nur kurz etwas mit jemandem trinken zu gehen. Das Leben ist allgemein komplizierter geworden.

Für Hausarzt Bernhard Gerber gibt es jetzt mehr Administrations-Arbeit.

Wie gerne hätte ich etwas Unbeschwertheit zurück!» Für den Arzt ist es klar, dass man kein Risiko eingehen darf. «Es gilt, weder sich noch andere in Gefahr zu bringen. Unnötige Kontakte zu vermeiden, auch mit Familie und Freunden – das ist hilfreich. In den eigenen vier Wänden wollen wir aber so viel Normalität wie möglich erhalten, auch wenn man halt immer nur zu zweit ist.» Auf die Frage nach dem Impfen gibt es eine klare Antwort: «Ja, ich lasse mich impfen. Nur durch die Impfung kann die Situation in nützlicher Frist deutlich verbessert werden. Die Impfstoffe sind zudem sicher und sehr wirkungsvoll.» Und was ist als erstes geplant, wenn sich die Lage wieder normalisiert hat? «Mit meiner Frau einen YB-Match besuchen!»

Fotos: mdr

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