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Er tanzte zuerst mit der Mutter, um zu punkten

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Rosmarie und Heinrich Reinhard feiern diamantene Hochzeit.

Am 6. März durften Rosmarie und Heinrich Reinhard die diamantene Hochzeit feiern – eine reife Leistung! Und die Flamme der Liebe lodert nach wie vor ungebändigt. Wir haben die Jubilare im 15. Stock ihrer Wohnung im Schwabgut besucht.

Die Nervosität über den Besuch des Journalisten konnten Rosmarie und Heinrich Reinhard nicht ganz verbergen. Es ist ja auch nicht alltäglich, wenn sich die Medien für sie interessieren. Aber nicht alltäglich ist auch das Jubiläum des Ehepaars: Es durfte am letzten Samstag die diamantene Hochzeit feiern. Und wenn man die beiden sehr gepflegten, kommunikativen Jubilaren heute trifft, kommt das Gefühl auf, als wäre es der erste Hochzeitstag.

Hochzeitsreise ins Tessin
Zum ersten Mal begegnet sind sich Rosmarie Jüni und Heinrich Reinhard 1958 am Kirchenbasar in Flamatt. Die knapp 18-jährige Rosmarie nahm mit ihren Eltern am Fest teil. Dem feschen Heinrich entging die hübsche Rosmarie nicht. Der gewiefte Stratege forderte aber zuerst die Mutter von Rosmarie zum Tanz auf. «Ich wollte punkten und da war es wohl besser, zuerst bei der Mutter einen guten Eindruck zu hinterlassen», erzählt Heinrich verschmitzt. Die Rechnung ging auf: Rosmaries Mutter war von den guten Manieren des jungen Mannes sehr angetan. Aber auch auf das Mädchen verfehlte er seine Wirkung nicht: «Ich war beeindruckt, dass er zuerst mit meiner Mutter tanzte», lacht Rosmarie. Was war es denn, das Heinrich damals an Rosmarie so faszinierte? «Sie war eine ‹Härzige› und ist es heute noch», antwortet er.


Drei Jahre waren die beiden verlobt – wie es sich damals gehörte. Am 6. März 1961 gaben sie sich in der Kirche von Neuenegg das Ja-Wort. Gefeiert wurde anschlie-ssend im Restaurant «Sternen» in Grosshöchstetten – diesmal ohne Tanz, denn die Musik fehlte. «Das war damals noch nicht so üblich», erinnert sich Heinrich.
Die Hochzeitsreise führte das junge Paar drei Monate später nach Locarno. «Wir trafen abends spät mit dem Zug ein und mussten zuerst eine Bleibe suchen, denn wir hatten nichts reserviert», blickt Rosmarie zurück. In einer Pension verbrachten sie dann drei Tage im Tessin. «Für mich das erste Mal», sagt Rosmarie. Nicht so für Heinrich, er absolvierte in Losone die Grenadier-Rekrutenschule.


«Wir können nicht streiten!»
Als Höhepunkte ihrer langen Ehe nennen die beiden ihre zahlreichen Reisen innerhalb Europas: Deutschland, Spanien, Madeira, Ungarn, Tschechien, Türkei, Kro-atien, Helgoland, Italien. Die Lieblingsdestination blieb die italienische Ortschaft Pineto in der Region Abruzzen.
Haben Reinhards ein Rezept für eine lange und gute Partnerschaft? «Demut, Dankbarkeit und Zufriedenheit für alles was man hat. Jeder soll seinen Freiraum behalten, nicht versuchen, dem anderen seine Meinung aufzudrängen. Wir ‹hässelen› manchmal kurz, aber richtig streiten können wir nie, wir ‹töippelen› nicht.» Worte, die wir uns einprägen sollten…

ZU DEN PERSONEN
Rosmarie Reinhard-Jüni (80) ist in Neuenegg aufgewachsen und absolvierte die Lehre als Verkäuferin (heute Detailhandelsfachfrau). Lesen, Stricken und Sammeln von Fingerhüten (weltweit) gehören noch heute zu ihren Hobbys.
Heinrich Reinhard (85) wuchs in Thörishaus auf. Ar arbeitete bei den Schweizerischen Bundesbahnen SBB, zuerst als Güterarbeiter und später als Hallenchef. Zu seinen Hobbys zählten früher Velo- und Skifahren sowie seit jeher Sportsendungen im TV. Das Ehepaar wohnt seit 37 Jahren im Schwabgut und hat einen Sohn und zwei Grosskinder. Beide sind seit Jahrzehnten begeisterte YB-Fans.

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