«Ich bekomme selten Blumensträusse gereicht»

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Rachel Picard weiss, wo im Quartier der Schuh drückt.

QBB-Chefin Rachel Picard im Interview – Die Quartierkommission Bümpliz-Bethlehem ist ein zentrales Bindeglied zwischen der Stadt und der Bevölkerung im Quartier. Wie das die Bevölkerung honoriert und wie die Zukunft aussieht, erzählt ihre Geschäftsführerin im Interview.

Welche Bedeutung messen Sie der QBB im Quartier zu?
Die QBB ist das repräsentative Mitwirkungsorgan des Stadtteils VI und stellt eine wichtige Drehscheibe zwischen der Stadt und der Bevölkerung dar. Sie ist als ständiges Gremium ein Bindeglied zwischen dem Quartier und der Verwaltung. Die QBB ermöglicht die frühzeitige Mitwirkung der Bevölkerung.


Sieht dies die Bevölkerung auch so?
Ja, die interessierte Öffentlichkeit kennt die QBB und schätzt diese als wichtiges Gefäss für den Stadtteil VI.


Wie honoriert die Bevölkerung die Bemühungen der QBB?
Die öffentlichen Foren sind je nach Thema unterschiedlich gut besucht. Die Menschen kommen, um sich über anstehende Themen zu informieren. Das allein ist ja schon eine Wertschätzung unserer Arbeit. Besonders viele Personen kommen vorbei, wenn es um Themen geht, die Betroffenheit auslösen. Die Menschen honorieren, wenn sie und ihre Anliegen ernst genommen werden. Aber ich bekomme selten Blumensträusse gereicht. (lacht) Wobei: letztes Jahr hat sich die QBB sehr für das Mütterzentrum Bern-West stark gemacht, als dieses von den Sparmassnahmen existenziell bedroht war – da gab es tatsächlich einen Blumenstrauss zum Dank.


Wie bewerten Sie die Zusammenarbeit der QBB mit der Stadt Bern?
Die Zusammenarbeit mit der Stadt Bern ist sehr intensiv und eng. Es finden regelmässige Treffen zwischen den Quartierkommissionen mit den Behörden auf Direktionsebene statt. Auch auf der Projektebene ist die Beteiligung hoch. Wie immer und überall gibt es auch hier manchmal Sachen, die nicht so gut laufen. Aber alles in allem ist die Kommunikation mit der Stadt sehr gut und konstruktiv.


Was sind die grössten Erfolge/Misserfolge der QBB in den vergangenen Jahren?
Es gibt sehr viele grosse, kleine Erfolge, welche die Lebensqualität im Quartier verbessert haben. Aber man sieht an ihnen sehr deutlich, dass sich die hartnäckige Arbeit der QBB wirklich auszahlt. Durch viel Einsatz kann man auch viel ausrichten. Was wir allerdings bis jetzt nicht so wirklich geschafft haben, ist alle Bewohnerinnen und Bewohner des Stadtteils VI für die in der QBB behandelten Themen zu motivieren. Diese sind oft noch abstrakt beziehungsweise auf einer schwer verständlichen Flughöhe. Die demografische, sozioökonomische und kulturelle Vielfalt des Stadtteils wiederspiegelt die Kommission noch immer nicht.


Was wünschen Sie der QBB in Bezug auf die Zukunft im Stadtteil VI?
Langfristig wünsche ich mir, dass die QBB vermehrt die Vielfalt der Bewohnerinnen und Bewohner des Stadtteils in die Arbeit der QBB einbinden kann. Dazu müssten wir auch darüber nachdenken, inwiefern wir die Strukturen unserer Organisation anpassen können und wollen. Vielleicht ist dabei ja die geplanten Gemeindefusion der Stadt Bern mit Ostermundigen ein Katalysator. Kurzfristig: Im März wird unser Vereinspräsidium wechseln. Ich wünsche mir, dass die QBB weiterhin konstruktiv arbeitet und sich die neue personelle Situation gut einspielt.

ZUR PERSON
Rachel Picard (43) ist gelernte Geografin und arbeitet seit 2016 als Geschäftsführerin für die QBB. Sie hat zwei Kinder und lebt in Bern. In ihrer Freizeit ist sie gerne draussen und treibt Sport. Zu ihren Lieblingsplätzen im Quartier gehören das Winterhäli und die Rehag-Grube.

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