Wo Amisabi, Lotta und McFly zu Hause sind

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Katharina Gallizzi und Tochter Ainura kümmern sich um die Hühner auf der Hofstatt.

Mitten im Ortskern von Bümpliz liegt die bekannte Hofstatt mit der Wiese Chilchacher, auf der früher Schafe und Geissen weideten. Jetzt leben dort Hühner mit lustigen Namen und es liegen gestapelte Äste herum. Warum das so ist, zeigt ein Augenschein vor Ort.

In den vergangenen Wochen erreichte die Redaktion der BümplizWoche immer wieder Post zum Thema Hofstatt im Bienzgut. Viele Leserinnen und Leser fragen sich, was mit dem Chilchacher und der Hofstatt passiere, wo eigentlich die Schafe und Geissen geblieben sind und warum dort so viele Asthaufen liegen. Die Wiese «verkomme» und man kümmere sich nicht darum. Jüngst wird die grüne Oase mitten im Ortskern in einem Leserbrief sogar als «Schandfleck von Bümpliz» bezeichnet. Grund genug, sich die Sache vor Ort mal anzuschauen.

Auf der Hofstatt angekommen, wird schnell deutlich, dass diese Vorwürfe nicht gerechtfertigt sind. Denn das, was mitten in Bümpliz passiert, ist alles andere als eine Verwahrlosung. «Wir wollen das Areal einer ökologischen Aufwertung unterziehen», sagt Resu Leibundgut. Er ist Baumwärter und arbeitet regelmässig auf der Hofstatt.


Lebensraum für alle
Das Ziel ist, die Hofstatt nach den Prinzipien der Biodiversität zu pflegen. Dazu gehören auch besagte Asthaufen, die nicht einfach wahllos auf dem Areal verteilt liegen, wie Leibundgut weiss. «Die Asthaufen bilden die Grundlage für sogenannte Benjeshecken», erklärt der gelernte Landschaftsgärtner, «In den locker aufgeschichteten Ästen können sich Pflanzensamen sammeln und so zu einer grossen Hecke werden.» Das dauert natürlich seine Zeit und sieht am Anfang etwas merkwürdig aus. Doch bereits jetzt dienen die in Linien aufgeschichteten Haufen als Unterschlupf für zum Beispiel Vögel, Igel und andere kleine Tiere.

Resu Leibundgut stapelt Äste, die zu Benjeshecken werden sollen.

Resu Leibundgut pflegt auch die alten Bäume auf dem Areal. Die meisten davon sind Apfelbäume, deren Triebe er regelmässig stutzt. Die Äpfel verarbeitet er zu Most oder Dörrobst. Dabei gilt das Prinzip: Weniger ist mehr. «Das Areal soll so natürlich belassen werden, wie möglich, damit sich hier wieder viele Tiere und Pflanzen ansiedeln können.»

Neben den Obstbäumen, der Wiese und den Hecken gibt es auch einen Hühnerstall mit sieben Hühnern. Eine Gruppe aus sieben Bümplizer Familien, die je eines der Hühner adoptiert hat, sorgt sich gemeinsam um das Wohler-gehen der Tiere. «Wir kümmern uns seit vergangenem Jahr um die Hühner», erklärt Katharina Gallizzi. Das mache nicht nur Spass, sondern gäbe auch ab und zu ein paar Eier, die sich die Familien untereinander teilen. Manchmal stellt die Hühnerpflege jedoch auch eine Herausforderung dar, wie Tochter Ainura weiss: «Wir haben ein besonders Huhn mit dem Namen McFly. Das büchst manchmal aus dem Gehege aus und muss wieder eingefangen. Daher hat es auch seinen Namen bekommen.»


Langfristigkeit und Bestand
Unterhalten wird das Ganze von der Stiftung B als Trägerschaft für soziokulturelle Projekte. Sie hat von der Stadt Bern das Bienzgut im Baurecht übernommen. Seit 1998 dient es als Begegnungszentrum mit einem vielfältigen Angebot für die Bümplizerinnen und Bümplizer. Ein Teil davon ist die Hofstatt zusammen mit dem Atelierhaus, in dem das Kinderatelier und der Stall untergebracht sind. Das ganze Areal ist öffentlich. «Für uns ist wichtig, dass der bäuerliche Charakter vom Bienz-gut erhalten bleibt und die Bewohnerinnen und Bewohner von Bümpliz diesen wertvollen Grünraum weiterhin geniessen können. Der Erhalt der Natur hat dabei einen hohen Stellenwert», sagt Jaelle Eidam, Geschäftsführerin der Stiftung B, «Das Projekt ist auf Langfristigkeit ausgelegt und soll die kommenden Jahre Bestand haben.» Somit ist sichergestellt, dass die grüne Oase mitten in Bümpliz auch weiter ein Platz zum Verweilen und Entspannen für die ganze Bevölkerung bleibt.

Dennis Rhiel

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