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«Eine Aufgabe für eine oder zwei Generationen»

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Der Gemeinderat der Stadt Bern hat entschieden: es muss gespart werden. Unter anderem auch in Bümpliz. Der Friedhof wird geschlossen und umgewandelt. Ab 2023 sind keine Bestattungen und Beisetzungen mehr möglich. Der zuständige Leiter Stadtgrün, Christoph Schärer, erklärt die Situation.

Warum beabsichtigt der Gemeinderat auf Bestattungen und Beisetzungen ausgerechnet auf dem Friedhof Bümpliz zu verzichten?
Für die Bümplizer wichtig zu wissen: Die nächsten zwei Jahre ändert sich auf dem Friedhof noch gar nichts. Erst ab dem 1. Januar 2023 sollen keine Bestattungen und Beisetzungen in neue Gräber mehr stattfinden. Und bestehende Gräber bleiben je nach Konzession die nächsten 20 bis 40 Jahre bestehen und werden weiter gepflegt. Beiset-zungen in bestehende Gräber bleiben auch nach dem 1. Januar 2023 möglich. Wir sprechen also von einer langfristigen Umwandlung des Friedhofs.


Wie kam es dazu?
Dazu gibt es mehrere Überlegungen. Die meisten Bestattungen der vergangenen Jahre waren Urnenbeisetzungen. Daher hat sich das Platzbedürfnis geändert und entspricht nicht mehr dem, was vor Jahrzehnten geplant worden ist. Der Friedhof Bümpliz ist im Vergleich zu den anderen städtischen Friedhöfen der mit Abstand kleinste. Der Bremgartenfriedhof ist sozusagen der Zentralfriedhof der Stadt mit Angeboten für die Weltreligionen, einem Anatomiegrabfeld, Soldatengräbern und dem Krematorium. Beim Schosshaldenfriedhof ist auch die Gemeinde Ostermundigen Miteigentümerin. Auf dem Friedhof Bümpliz müssten wir in den kommenden Jahren viel in die Infrastruktur investieren. Zum Beispiel ist der Aufbahrungsraum sehr in die Jahre gekommen, auch Einrichtungen für die Mitarbeitenden oder die Heizung müssten erneuert werden. Der Verzicht auf die Sanierung oder gar einen Neubau sind Teil der Sparmassnahmen.

Wie glauben Sie, reagiert die Bümplizer Bevölkerung auf die Sache?
Eine solche Veränderung wird sicher Fragen auslösen. Ein Friedhof ist ein Ort, der von der Bevölkerung geschätzt wird. Deshalb ist es uns auch so wichtig, die Quartiervertretungen und die Betroffenen bereits jetzt einzubeziehen. Wie bereits gesagt, gilt der Entscheid erst ab dem Jahr 2023. Dies verschafft uns die Möglichkeit, Gespräche zu führen und mit allen Beteiligten zu sprechen sowie die Bevölkerung umfassend zu informieren. Einen Friedhof wie hier in eine Parkanlage umzuwandeln, ist immer etwas Aussergewöhnliches und eine Aufgabe für eine oder zwei Generationen.


Ist es zumutbar, dass der Bümplizer Bevölkerung ihr Friedhof weggenommen wird?
Das können nur die Bevölkerung und die Politik beantworten. Wir sehen einerseits das Sparpotential bei den Betriebs-, Unterhalts- und Investitionskosten. Andererseits aber auch die Chance, dass die Umwandlung des Friedhofs längerfristig dem Stadtteil dient. Bümpliz wird in den nächsten Jahren und Jahrzehnten weiter baulich verdichtet. Und Bümpliz hat heute noch keine eigentliche öffentliche Parkanlage. Auch andere Schweizer Städte sind in der gleichen Situation. So verfügt zum Beispiel Basel heute noch über einen einzigen Friedhof, das Hörnli.


Gibt es Alternativen zur Planung? Kann man den Bümplizer Friedhof irgendwie retten?
Diese Frage haben wir uns natürlich auch gestellt. Eine Teilumwandlung kommt aus Kostengründen nicht in Frage, weil Kosten für die Infrastruktur und den Betrieb weiterhin bestehen bleiben würden. Einen anderen Friedhof können wir nicht umwandeln. Aufgrund der notwendigen Bestattungsfläche für die Stadtberner Bevölkerung brauchen wir die beiden grossen Friedhöfe. Grössere Betriebe können zudem wirtschaftlicher betrieben werden.

Was tun Sie, wenn der Stadtrat dem Vorschlag des Gemeinderates nicht zustimmt, und der Friedhof bleibt? Wo wird dann gespart?
Der Friedhof Bümpliz ist nur ein Teil der Einsparungen die Stadtgrün Bern zu erbringen hat. Unsere Möglichkeiten zu sparen sind beschränkt: Die Stadt wächst, aber sie braucht genügend Grünflächen und Biodiversität, damit wir dem Klimawandel entgegenwirken können und damit die Lebensqualität hoch bleibt. Wir können einzig schauen, dass wir Infrastrukturkosten einsparen – und das geht eben zum Bespiel beim Friedhof Bümpliz.

Wie sieht das weitere konkrete Vorgehen aus? Sind die Quartierorganisationen bereits in den Prozess involviert worden?
Der Gemeinderat hat vorvergangene Woche informiert. Wir sind momentan dabei, eine Arbeitsgruppe zu bilden. In dieser soll unter anderem die Quartierkommission QBB zusammen mit verschiedenen Kirchgemeinden und uns vertreten sein. Wir möchten gerne auch noch andere Beteiligte mit ins Boot holen. Einen Bestatter zum Beispiel, oder auch andere Interessierte. Mit der Arbeitsgruppe wollen wir Fragen, Probleme und Bedürfnisse aller Beteiligten klären. Daher ist es gut, kommen die Änderungen auf dem Friedhof erst Anfang 2023. Bis dahin haben wir noch genug Zeit, in Ruhe zu planen, wie es weitergeht. Wir sind in diesem Sinne auch sehr offen für Beiträge. Jeder, der möchte, kann sich unter friedhof.administrati-on@bern.ch an uns wenden und sich mitteilen.


Was soll in Zukunft, nach Auslaufen der Konzessionsdauer mit dem Friedhof passieren?
Auch hier möchten wir die Bevölkerung mit einbeziehen. Ziemlich sicher wird es eine Parkanlage geben. Vor gut 100 Jahren ist das Gleiche mit dem Rosengarten geschehen. Wir suchen nach einer einvernehmlichen Lösung mit der Bevölkerung und wollen daher offen und transparent arbeiten und kommunizieren.

Dennis Rhiel

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