Gestatten, die Leute von Schweinheim

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Das neue Buch vom Bümplizer Autor Fritz Kobi heisst «Schweinheim». Der Titel hält, was er verspricht.

Bümplizer Autoren-Legende Fritz Kobi hat sein neues Buch «Schweinheim» herausgebracht und unser Autor Thomas Bornhauser, selbst Krimischreiber, hat sich das Buch mal angeschaut.

Die Frage ist angebracht: Hat Gottfried Kellers «Die Leute von Seldwyla» beim Satire-Thriller Schweinheim vom Bümplizer Autor Fritz Kobi Pate gestanden? Bei ihm dreht es sich ebenso um ein fiktives Dorf in der Schweiz – und um seine Einwohner. Selber Krimiautor, habe ich mich an das neuste Werk des 83-Jährigen Bümplizers Fritz Kobi herangewagt, auf eher ungewöhnliche Weise. Zwei Gemeinsamkeiten verbinden uns. Erstens die Titel unserer Bücher. Fritz Kobi wählt mit «Schweinheim» den Namen eines fiktiven Dorfes, bei mir heissen die Krimis unter anderem «Rüeggisberg» oder «Wengen». Zweite Übereinstimmung: Wir beide nennen zu Beginn die Hauptprotagonisten. Bei beiden Autoren 33 Leute. Dennoch liegt der Vorteil bei Fritz Kobi, weil er seine Leute kürzer beschreibt. Werde ich mir merken.


Fiktion gegen Realität
Dann ist es aber mit den Parallelen rassig vorbei, weil «Schweinheim» ausschliesslich eine Fiktion ist, eine ganz und gar überdrehte, derweil sich meine Krimis – mit Ausnahme der Handlung, die frei erfunden ist – an reale Orte und Fakten hält. In der Buchzusammenfassung von Schweinheim steht Folgendes zu lesen: «In einer typischen Schweizer Vorortsgemeinde hält der Teufel Einzug. Jeder und jede misstrauen Jedem und Jeder. Im Gemeinderat wütet das pure Chaos, in der Arztklinik und der Anwaltskanzlei herrscht dubioser Hochbetrieb, im Eros Park und unter den Rowdies einer Jugendband stirbt die Moral. Selbst von Suiziden, heimtückischen Mordanschlägen, Vergewaltigungen und Verschwörungen bleibt das einst ruhige Schweinheim nicht verschont.»
Mit Verlaub: Diese Beschreibung ist noch leicht untertrieben, was man dann auf 350 Seiten zu lesen bekommt. Auffallend: Die Personen- und Strassennamen kommen ein bisschen sehr trivial daher, wenn man um den Arzt Michelangelo Rösti weiss, um Jakob Schweissfuss, der am Sauschwänzchenweg 14 wohnt – oder um das Bordell Eierkuchen. Und wenn dann noch Professor Schwartenleib der Spezialist für Schweineerkrankungen ist, ja dann… Aber das ordnet sich dem Gesamtkonzept unter.


«Schweinheim, we have a problem…»
Das Tohuwabohu, das in Schweinheim ausbricht, ist hingegen sehr gut strukturiert, die Personen kommen erst nach und nach zu ihren Rollen, so dass man sich nicht gleich auf den ersten 10 Seiten mit unzähligen Akteuren her-umschlagen muss, die man noch nicht kennt. Werde ich mir merken. Mit der zunehmenden Anzahl Personen nimmt die Handlung gewaltig Fahrt auf und übertrifft das Fantasievermögen vieler Leserinnen und Leser: Eine Polizei-Aspirantin – Amarona Po-polinsky –, die männerverschlingend durch die Gegend zieht, vor nieman(n)dem Halt macht, ein Gemeindemuni, der ausser Berggipfeln ebenfalls ziemlich alles besteigt und gleich zu Beginn bei Coiffeuse Kassandra mit einer eher ungewöhnlichen Herausforderung zu kämpfen hat. In einem Punkt muss ich den Autor ergän-zen. In einer Passage schreibt er nämlich, die Welt werde «von Sex und Geld» regiert. Nicht ganz. Die Macht hat er zu erwähnen vergessen, denn erst Macht und Geld machen sexy… Zusammenfassend: «Schweinheim» ist kein Buch für den bestandenen Krimifan, sehr wohl aber für Leute, welche die Ecke des höheren Nonsens suchen.

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