«Wissen, was Kinder und Jugendliche interessiert»

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KUNST- UND KULTURPÄDADOGISCHES PROJEKT WESTWIND – Silvia Birnstiel-Kawano ist neue Leiterin des kunstpädagogoschen Projekts Westind im Stadttteil VI. Im Interview erzählt sie, warum Kunst und Kultur für Jugendliche besonders wichtig sind, und was sie an ihrem Job ganz besonders mag.

Ganz kurz: was ist Westwind?
Westwind ist ein pädagogisches Projekt zur Kunst- und Kulturförderung in Bern-West. Es wird vom Verein Westkreis 6 getragen.

Welche Angebote gibt es bei Westwind?
Wir bieten den Kindern und Jugendlichen viele Projekte an, an denen sie kostenfrei und meist ohne Anmeldung teilnehmen können. Darunter sind beispielsweise Theaterstücke, Film, Tanz, Malerei, Fotografie und so weiter. Wir schauen auch immer, was uns die Künstlerinnen und Künstler aus dem Stadtteil an Projekten anbieten und entscheiden dann, welche wir zusammen realisieren wollen. Im Jahr kommen so im Schnitt zwischen 10 bis 12 Projekte zusammen.


Wie geht Westwind mit der derzeitigen Corona-Krise um?
Während wir im Jahr 2019 noch sehr viele Projekte realisieren konnten, waren es im vergangenen Jahr viel weniger. 2020 war ein richtiger Schock für uns. Viele Projekte mussten wir verschieben und versuchen diese nun nachzuholen.


Online-Projekte wären kein Thema?
Unsere Arbeit lebt davon, dass man sich persönlich begegnet und zusammen Kunst und Kultur erschafft. Das ist online sehr schwierig. Wir wollen die Kinder und Jugendlichen motivieren, sich aktiv einzubringen. Da ist es besser, sich persönlich zu sehen.


Und wie werden die Projekte von den Kindern und Jugendlichen angenommen?
Das hängt viel von den Künstlern ab, die ein Projekt anbieten. Mal kommen mehr, mal kommen weniger. Kinder mögen beispielsweise eher Dinge, die mit Theater oder Malen zu tun haben. Jugendliche interessieren sich unter anderem für Instagram und Fotografie.

Sie sind seit Anfang des Jahres neu bei Westdwind als Verantwortliche der Koordinationsstelle. Was planen Sie für die Zukunft?
Mein Ziel ist es, Westwind bei den Kindern und Jugendlichen des Stadtteils VI bis Ende des Jahres bekannter zu machen. Sie sollen denken: «Ich habe heute nichts vor, ich werfe mal einen Blick auf die Westwind-Website und schaue welche Veranstaltung gerade stattfindet».


Und wie soll das gehen?
Durch Vernetzen und Motivieren. Ich spreche mit vielen relevanten Organisationen im Quartier über eine mögliche Zusammenarbeit. Kinder und Jugendliche müssen durch spezielle Anreize motiviert werden, mitzumachen. Das ge-schieht dadurch, das man weiss, was sie interessiert und dies anbietet.


Ihnen macht die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen offenbar viel Spass?
Ja, sehr viel sogar. Ich habe Kulturmanagement studiert, das erklärt meine Begeisterung für Kunst und Kultur. Auf der anderen Seite befürworte ich eine offene und multikulturelle Gesellschaft. Gerade im Stadtteil VI haben wir viele verschiedene Kulturen. Entsprechend ist es umso wichtiger, dass Kinder und Jugendliche die Möglichkeit haben, zusammen Dinge zu erschaffen, und auch emotionale Intelligenz entwickeln. Am besten passiert das dort wie sie leben – nämlich in Bern-West.

ZUR PERSON
Silvia Birnstiel-Kawano (40) ist verheiratet und hat zwei Kinder. Die ausgebildete Kulturmanagerin lebt in Wohlen und leitet Westwind seit Anfang des Jahres. Ihr Liebslingsort in Bern-West ist das Tscharnergut, «wegen der vielen Kulturen».

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