Bümpliz will seinen «Kraftort» behalten

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Wie eine Schockwelle verbreitete sich die Nachricht in Bern West, dass der Friedhof Bümpliz aufgelöst und in den kommenden Jahrzehnten in eine Parkanlage umgewandelt werden soll. Bis Ende 2022 dürfen noch neue Gräber ausgehoben werden, doch dann ist Schluss. Danach kann nur noch in bestehende Gräber bestattet werden. Sobald die Konzession ausläuft, werden die Gräber aufgelöst. Bereits nach Bekanntwerden dieses Spar-Entscheides des Gemeinderates, der von Stadt Grün Bern umgesetzt werden muss, äusserten die Bümplizerinnen und Bümplizer ihren Unmut über die Angelegenheit. Die Umfrage der Redaktion im Quartier zeigt: die Sache ist noch lange nicht erledigt. Die meisten Bewohnerinnen und Bewohner von Bern West sind gegen die Auflösung des Friedhofes, der für sie eine Selbstverständlichkeit im Stadtleben darstellt. Er ist ein Ort der Ruhe und Andacht, aber auch der Begegnung und der Gemeinschaft. Dass die Stadt ihnen das nehmen will, ist für die Bümplizerinnen und Bümplizer nicht nachvollziehbar.

Julia Güntensperger (Spielgruppenleiterin Hasenäscht) hat eine zweigeteilte Meinung: «Ich finde es total schade, wenn ein Park daraus wird. Das kostet ja auch Geld. Es kommt für mich auch darauf an, was für ein Park gemacht wird.» Für Ehemann André (Mechaniker Marti Technik AG), ist aber klar: «Es ist ein Kraftort. Wenn ein Park aus dem Friedhof gemacht werden soll, ist es dann wohl auch mit der Ruhe und der Energie vorbei.»
Astrid und Werner Portmann (beide pensioniert) aus Bethlehem finden nicht gut, dass der Friedhof Bümpliz aufgehoben werden soll. «Ich bin gar nicht dafür. Es ist ein Kraftort und ein Ort der Ruhe. Es ist ja bereits schon ein Park», sagt Werner Portmann. Seine Frau Astrid ergänzt: «Wir gehen viel über den Friedhof, auch wenn niemand dort liegt, den wir kennen. Was machen dann all die betagten Menschen, wenn sie einen so weiten Weg auf einen anderen Friedhof auf sich nehmen müssen?»
Stefan Heinemann (Informatiker Liip Digitalagentur) aus Bümpliz ist das erste Mal hier, weil er etwas von der Schliessung gelesen hat. «Ich konnte mir noch keine Meinung davon machen und werde den Friedhof noch ein paar Mal aufsuchen. Ich frage mich nur: Wo sollen all die Gräber hin?»
Iris Heinichen (Kaufm. Angestellte Institut für Pathologie) will, dass der Friedhof bleibt. Die Bümplizerin sagt: «Ich habe Freunde in einem Gemeinschaftsgrab und verweile gern dort. Und für die älteren Leute gibt es einen schönen Spaziergang durch Bümpliz auf den Friedhof.»
«Ich finde es eine dumme Idee. Wo komme ich denn mal hin, wenn ich sterbe? Man will ja meistens dort begraben werden, wo man den grössten Teil seines Lebens verbracht hat», bringt Dafina Sadrja (Verkaufsberaterin Fust, li.) ihre Meinung auf den Punkt. Ihre Freundin Karin Gerber (Studentin, Mi.) findet: «Viele Verwandte von meinem zukünftigen Mann sind dort bestattet. Der Friedhof ist ein Teil von Bümpliz und ich bin dafür, dass es so bleibt.» «Der Friedhof gehört zu Bümpliz und ich will, dass er bleibt. Einige meiner Verwandten und Familienangehörigen sind dort bestattet», sagt auch Livia Herren (Verkauf Aussendienst Berther Büromöbel GmbH, r.).
Simone Niederhäusern (Bundesangestellte beim Bundesamt für Sozialversicherungen) Bethlehem findet: «Als Erstes war ich sehr empört darüber. Es ist ein heiliger Ort und man darf ihn nicht verändern. Ich gehe viel über den Friedhof. Wenn man aber wieder einen schönen Ort daraus macht, wo auch Kinder spielen dürfen – warum nicht? Die Tendenz geht ja sowieso in Richtung weniger Erdbestattungen.»
Dora und Werner Aebischer sind beide pensioniert und aus Bümpliz. Dora ist gegen eine Schliessung: «Bümpliz ist ein grosses Einzugsgebiet und hier leben viele alte Leute.» Werner findet: «Ich weiss nicht, wer auf eine solch rissige Idee gekommen ist. Ein Park kostet schliesslich auch Geld! Und die alten Leute müssen dann auf den Schosshalden oder Bremgarten Friedhof ihre Angehörigen besuchen gehen. Das wird einfach kalt lächelnd beschlossen.»
Toni Riedener (pensioniert), seit 50 Jahren in Bümpliz: «Ich bin klar gegen eine Aufhebung. Sie sagen es eine Sparmassnahme. Aber ein Park kostet doch auch Geld. Für ältere Leute ist es äusserst mühsam von Bümpliz aus auf einen anderen Friedhof zu gehen.»
Angela Roth (Medizinische Praxisassistentin), ist der Meinung, das man den Friedhof auf jeden Fall erhalten müsse. «Er gehört einfach zu Bümpliz.» Ihr Vater Markus Roth (Fachspezialist Bundesverwaltung) sieht das genauso: «Für mich ist das eine Katastrophe. Ein Drittel der Stadtbevölkerung lebt hier. Ich bin der festen Überzeugung, dass dieses Vorhaben bei einer Abstimmung nicht durchkommen wird.» Sohn Leano hat sich vornehm mit seiner Meinung zurückgehalten.

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