Herzhafte Berner Italianità bis ins hohe Alter

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Mit der mediterranen Hausgemeinschaft hat Domicil Schwabgut ein einzigartiges Angebot für italienischsprechende Seniorinnen und Senioren geschaffen. Zusammen mit ihrem Team sorgt Rahel Sarvan für kompetente Pflege und ein Flair fast wie in «Bella Italia». 

Die Pasta fein al dente gekocht, die Marienfigur auf dem Beistelltisch, das freundliche «Ciao» auf dem Gang. Es sind liebevoll gepflegte Kleinigkeiten, die die besondere italienische Lebensart im neunten Stock des Domicil Schwabgut in  Bern ausmachen. In der mediterranen Hausgemeinschaft gibt es insgesamt elf Plätze mit umfassender Pflege, speziell für Menschen mit italienischer Muttersprache – eine Innovation. «Unser Konzept ist bei der Domicil Gruppe bisher einzigartig», erklärt Geschäftsleiter Michael Lüthi. Hier im Westen von Bern leben viele Italienerinnen und Italiener, die in den 50er und 60ern für die Arbeit in die Schweiz migrierten und Familien gründeten. Aufgrund gesundheitlicher Umstände und Bindungen kehrten sie nach der Pensionierung oft nicht in die Heimat zurück. Um diesen Menschen einen Platz mit dennoch viel italienischer Lebensart zu bieten, schuf Domicil Schwabgut 2007 die mediterrane Hausgemeinschaft. 

«Unser Koch Francesco macht die beste Pasta al Pomodoro», schwärmt Teresa Arcidiacono. Foto: M. Bachmann

Schweizer Qualität mit mediterraner Herzlichkeit

Heute leitet Pflegefachfrau Rahel Sarvan das Team, dessen zehn Mitarbeitende alle sehr gut italienisch sprechen und eine Ausbildung in der Schweiz genossen haben. Sarvan liebt die italienische Kultur und ihre Arbeit hier: «Unsere Bewohnenden sind anspruchsvoll, aber auch sehr herzlich. Es ist immer fröhlich und lebhaft bei uns. Der Zusammenhalt ist gross.» Man sitzt zusammen, spricht über Gott und die Welt, schaut italienisches TV, feiert Ostern und Weihnachten typisch mit Colomba pasquale und Panettone.

Gerade bringt Rahel Sarvan Teresa Arcidiacono ein Zvieri. Die 87-jährige Dame stammt aus Kalabrien und fand mit ihrem Mann in Wimmis eine zweite Heimat. Sie arbeitete in einer Spitalwäscherei, bekam fünf Kinder. Heute hat sie zahlreiche Enkel und Urenkel. Jede Wand ihres gemütlichen Zimmers zieren dutzende Familienporträts. Die Festtagsfeiern im Alterszentrum, zusammen mit ihren Angehörigen, sind Arcidiaconos Highlights im Jahr. «Sie vermisst ihre grosse Familie sehr. Wegen Corona ist es mit Besuchen gerade schwierig», übersetzt Sarvan. Umso grösser ist derzeit die Bedeutung der Gemeinschaft untereinander und auch mit dem Pflegepersonal. «Es sind sehr liebe Leute hier. Ich bin glücklich und fühle mich zu Hause», sagt die Seniorin mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen. Bewusst entschied sich Arcidiacono vor fünf Jahren für die familiäre Hausgemeinschaft. «Unser Koch Francesco macht die beste Pasta al Pomodoro», lobt sie. Ihre Muttersprache sprechen zu können, gibt ihr im Alter ein Stück Geborgenheit. 

Auch der geistliche Beistand ist hier wichtig. So hält die Missione Cattolica monatlich eine Messe in einem Andachtsraum ab – samt Madonna natürlich. «Aufgrund von Corona kommt die Messe jetzt per Zoom», sagt Rahel Sarvan. Sonst ist die mediterrane Hausgemeinschaft stets gut mit der italienischen Comunità in Bern vernetzt. «Ausflüge in die Osteria da Santo, Gelati-Partys im Garten, wir haben tolle Aktivitäten», so die Teamleiterin. Im Sommer profitieren alle 120 Bewohnenden von Domicil Schwabgut von der grossen Gartenanlage mit Pergola und Vogelvoliere, es gibt ein Café und eine gute Verkehrsanbindung. Das Hochhaus bietet ausserdem eine Panoramaaussicht auf den Gurten und die Alpen.

Zusätzliche Lebensqualität dank der «Cucina Italiana»

Für die mediterrane Hausgemeinschaft gibt es gar noch ein bisschen mehr «dolce vita». Am Herd steht hier ebenfalls ein Italiener, der Menüplan unterscheidet sich von dem anderer Abteilungen. Die Seniorinnen und Senioren aus Nord- und Süditalien bringen die verschiedensten Vorlieben mit. Wer Geburtstag hat, darf sich ein Menü wünschen. «Unsere Bewohnenden lieben Pasta, Meeresfrüchte, mediterranes Gemüse und Risotto. Und vielleicht wird hier auch ein bisschen mehr Rotwein getrunken», sagt Lüthi und lacht. Die Kulinarik ist für alle ein wichtiges Stück Lebensqualität. Ein Griff in den Küchenschrank und Rahel Sarvan zaubert wie zum Beweis eine Bialetti Kaffeemaschine hervor. «Der Espresso nach dem Essen, der darf eben nicht fehlen.»

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