Was darf überdauern und was muss gehen?

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Es ist ein warmer Frühlingstag Ende März. Bestatter Martin Krattinger schreitet über den Friedhof im Herzen von Bümpliz. Er deutet auf einzelne Gräber von Personen, von denen er eine Geschichte zu erzählen weiss. 

«Hier zum Beispiel sind die Gräber zweier Freunde, die sich immer in der Beiz getroffen haben. Jetzt ruhen sie nebeneinander.» Ein paar Meter weiter folgt die nächste Anekdote. Der Friedhof Bümpliz ist voller Geschichten und Schicksale. Krattinger, Bestatter in zweiter Generation, ist im Quartier aufgewachsen und kennt viele, die hier begraben sind. Dass der Friedhof nun aufgehoben werden soll, hat auch ihn überrascht. «Vor ein paar Jahren hatte ich Besuch von Vertretern der Stadt. Da gab es noch Pläne, das Areal zu vergrössern», sagt er.

Fragen über Fragen

Trotzdem hat der Gemeinderat der Stadt Bern beschlossen, dass nur noch bis Ende 2022 neue Gräber ausgehoben werden dürfen. Danach sind Bestattungen nur noch in bestehende Gräber möglich. Nach Ende der Konzessionsdauer der Gräber von 20 beziehungsweise 40 Jahren, soll aus dem Friedhof eine Parkanlage werden (siehe Bericht in der vorherigen BümplizWoche).

Viele Menschen sind momentan verunsichert. Es gibt viele Fragen, die bisher nicht beantwortet wurden. Oft sind es Details. «Bis wann kann in welches Grab bestattet werden?», «Wie läuft eine Umbettung ab?», «Verlängert sich die Konzessionsdauer bei bestimmten Gräbern?» und so weiter. Die offizielle Mitteilung des Gemeinderates ist zwar raus, aber konkrete Antworten gibt es bisher wenige. Auf dem Gelände hat die Verwaltung einen Bauwagen abgestellt. Wenn auf dem Friedhof viel los ist, sitzt dort jemand, den man fragen kann. Richtig befriedigend sei das aber nicht, wie Krattinger weiss. Er erhält in der vergangenen Zeit viele Anrufe besorgter Bümplizer, die einen Angehörigen auf dem Friedhof beerdigt haben.

Alles vor Ort

Ein weiterer Punkt, den der Bestatter in letzter Zeit von vielen Menschen rund um den Friedhof hört, ist, dass ältere Menschen schlichtweg nicht mobil genug sind, um ihre verstorbenen Angehörigen auf einem anderen, weiter weg liegenden Friedhof zu besuchen. «Wie oft sehe ich an Beerdigungen Menschen mit Rollatoren?», fragt er rhetorisch, «Und die sollen dann bis ans andere Ende der Stadt fahren, wohlmöglich noch mit dem ÖV?»

«Als Bümplizer finde ich die Auflösung sehr schade. Es geht ein Stück Bestattungskultur verloren.» Hier gibt es alles, was für eine würdige Beerdigung nötig ist. «Wir haben eine Kirche, Aufbahrungsräume, den Friedhof und Restaurants für den Leichenschmauss.» Alles in unmittelbarer Nähe zueinander. «Ich wünsche mir einfach, dass wir den Friedhof weiter so pflegen können, wie er ist. Er ist auch ein Ort der Begegnung.» Vielleicht gibt es einen Kompromiss? «Man könnte nur die Aufbahrungen einstellen», meint er und lässt die Frage mit Blick über die Anlage im Raum stehen und hofft, dass die einberufene Arbeitsgruppe der Stadt bald Lösungen und Antworten für die Bümplizer bereithält.

Dennis Rhiel

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