Mit dem Hauswart durch das Hochhaus

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Holenacker Bern

Die Überbauung Holenacker be-eindruckt mit ihren Hochäusern. Diese geben dem verantwortlichen Hausmeister Alfred Kobel viel zu tun.

Was ist eigentlich ein Hochhaus? Das wird in jedem Land anders definiert. In der Schweiz gilt: beträgt die Gesamthöhe eines Hauses 30 Meter und mehr, dann ist es ein Hochhaus. Zu den höchsten Wohnhäusern im Kanton Bern gehören die beiden unübersehbaren Türme im Holenacker. 

Sie entstanden vor 35 Jahren mit dem Ziel, ein Wachstum der Städte mit der Monotonie der Ein-Familien-Häuser zu ver­meiden. Da gab es noch keine Grüne, aber die Architekten wollten grosse zusammenhängende Grünflächen erhalten. Das ist ihnen mit der Überbauung Holenacker bestens gelungen.

Die alphabetische Liste der Bewohner wird immer kleiner. Jeden Monat verlassen Mieter das Haus – nach einem genauen Plan, damit kein Zügelstau entsteht. Viele, die jetzt anderswo hingezogen sind, können sich vorstellen, dass sie nach der Sanierung wieder hierhin zurückkommen. 

Die Häuser werden mehrheitlich von der Fambau Genossenschaft verwaltet. Alexander Schaller erklärt der BümplizWoche: «Der Holenacker befindet sich in einem Sanierungsprogramm, die letzten zwei Jahre haben wir die Holenackerstrasse 27-37 saniert. Als nächstes wird das Hochhaus an der Holenackerstrasse 65 (65 Meter hoch) in den Jahren 2022 und 2023 saniert. Bis 30. November 2021 werden alle Mieter ausziehen.»

Hoch oben unter dem Dach schnurren und ächzen die drei Liftmotoren. Sie haben die Aufzüge seit der Eröffnung  mehrmals die Distanz zum Mond und zurück transportiert. «Jetzt sind sie störungsanfällig geworden, und es gibt keine Ersatzteile mehr. Es ist Zeit, sie mit einer neuen Aufzugsgeneration zu ersetzen», meint Alfred Kobel. «Als Hauswart benutze ich regelmässig die Treppen, verteile die Waschpläne und kontrolliere die Waschräume in jedem Stockwerk. Es sind fast 500 Tritte. Das ist mein Konditionstraining.»

Zuständig für die beiden Hochhäuser Holenackerstrasse 65 und 85 ist der Hauswart Alfred Kobel, den wir auf einem Rundgang durch sein Reich begleiten durften.

Was macht eigentlich der Hauswart?

Alfred Kobel überlegt nicht lange: «Da gibt es eine lange Liste, bei der man täglich neue Prioritäten setzen muss. Besonders wichtig sind technische Kontrolle und Bedienung von zentralen Anlagen wie Heizung, Wasserversorgung, Aufzüge und Alarmsystem. Dann gibt es viele kleine Wartungs- und Reparaturaufgaben. Aber die Technik ist nur ein Teil der Arbeit. Täglich kommen Mieter mit ihren Anliegen zu mir. Da gilt es gut hinzuhören. Aber ich spiele nicht den Polizisten, sorge höchstens für die Einhaltung der Hausordnung. Das funktioniert in einem Haus mit Leuten aus über zwanzig Nationen überraschend gut. Es gibt so etwas wie eine Solidarität im Hochhaus.»

In der Unterwelt des Hochhauses kann man sich nicht verirren. Alle Türen, Gänge, Anlagen und Armaturen sind säuberlich angeschrieben und die Ausgänge signalisiert. Hier laufen die Wasserpumpen, die dafür sorgen, dass das Trinkwasser auch in den obersten Stockwerken fliesst. In den untersten drei Stockwerken ist die grosse Einstellhalle für über vierhundert Fahrzeuge. So bleibt der Holenacker praktisch autofrei.

Müssen Sie auch die Wohnungstür öffnen, wenn ein Mieter seinen Schlüssel verlegt hat?

«Nein. Wir sind kein Hotel. Ich habe keine Wohnungsschlüssel. Da müssen die Mieter schon einen Schlüsseldienst aufbieten.

Nicht nur auf dem Dach, sondern auch von den obersten Wohnungen im Hochhaus geniesst man den herrlichen Rundblick. Links das Tscharnergut, rechts der Brünnenpark. «Hier oben gibt es immer wieder unerwartete Windböen. Deshalb arbeitet man auf dem Dach des Hauses suva-gerecht angegurtet am Seil mit einer Absturzsicherung.»

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