«Mit Gelassenheit schwierige Situationen meistern»

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Altersgerechtes Wohnen ist heute wichtiger denn je. Nach 17 Jahren an der Spitze des Unternehmens weiss Therese Frösch, worauf es dabei ankommt.

Was zeichnet die Domicil Bern AG aus?

Domicil ist eine Unternehmung mit gemeinnützigem Zweck und ist erste Adresse für ein gutes Leben im Alter. Bei Domicil erhalten ältere Menschen alles, was sie für ein selbstbestimmtes Leben benötigen aus einer Hand. Ob viel oder wenig Unterstützung, ob kurz- oder langfristige Betreuung, ob Pflege in den eigenen vier Wänden oder in einem unserer 23 Häuser. 

Wie macht man sich in Berns Westen einen Namen als Wohn- und Pflegeeinrichtung?

2020 feierte Domicil sein 25-jähriges Jubiläum. Die drei Domicil Häuser im Westen von Bern, Baumgarten, Schwabgut und Bethlehemacker, gehörten von Beginn an dazu. Sie sind alle sehr bekannt und beliebt. Der Bethlehemacker hat sich später spezialisiert auf die Betreuung von
Menschen mit Demenz. Gern erinnere ich mich an die jährliche wunderschöne Weihnachtsfeier von Domicil Baumgarten in der nahen Kirche Bümpliz. Lichter schmücken jeweils den Weg vom Alterszentrum bis zur Kirche.
Domicil Baumgarten war übrigens in Bern das erste Heim mit einem therapeutischen Bad und einer Tagesstätte für Betagte. 

Die Ansprüche für altersgerechtes Wohnen verändern sich stetig. Wie stellt sich Domicil Bern darauf ein?

Die Domicil Bern AG hat sich den gesellschaftlichen Entwicklungen stets angepasst. Nichts desto trotz ist die steigende Selbstbestimmung und die à-la-carte Lebenshaltung der Babyboomer*innen für Domicil eine permanente Herausforderung. Es braucht viel Flexibilität von der Direktion und den 1800 Mitarbeitenden von
Domicil, um allen 1650 betagten Kund*innen jeden Tag individuell gerecht zu werden. Wir bieten ein Rundum-Angebot an mit den passenden Dienstleistungen in allen Wohnformen. Als Präsidentin von Domicil ist mir dabei sehr wichtig, dass im Alltag die Werte, zu denen sich Domicil verpflichtet hat, jederzeit gelebt und überprüft werden. Achtsamkeit, Ehrlichkeit, Verlässlichkeit und Wertschätzung sind die Basis dafür. Und mit heiterer Gelassenheit meistern wir auch schwierige Situationen.

Was verbindet Ihr Unternehmen und Sie persönlich mit dem Stadtteil VI?

Wie oben erwähnt, gehören die Flaggschiffe Baumgarten, Schwabgut und Bethlehemacker seit 25 Jahren zu Domicil und trugen wesentlich zur Weiterentwicklung und zum Erfolg bei. Als ehemalige Finanz- und spätere Sozialdirektorin der Stadt Bern stand ich in regem Austausch mit dem Stadtteil VI. Und der Gemeinderat war jedes Jahr in corpore an die Bümplizer Chilbi eingeladen. 

Wie meistert Ihr Unternehmen die aktuelle Coronakrise?

Die Pandemie ist omnipräsent im Domicil-Alltag und wird uns noch für eine längere Zeit beschäftigen. Sicherheit und Wohlbefinden unserer Bewohnerinnen und Bewohner hatten und haben höchste Priorität. Auch ein sofortiger adäquater Austausch mit den Angehörigen war uns ganz wichtig, sobald die von den Behörden verordnete Quarantänezeit vorüber war. Wir impfen und  setzen Schutz- und Hygienemassnahmen konsequent um, erarbeiten neue Konzepte, schulen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und wir erarbeiten Strategien, um diese komplexe Situation auch langfristig zu meistern.

Wie entspannen Sie nach einem harten Tag im Unternehmen?

Ich bin ja nicht als Mitarbeiterin bei Domicil tätig, sondern auf der strategischen Ebene als Verwaltungsratspräsidentin. Das ist ein kleines Arbeitspensum mit viel Verantwortung. Während der 1., vor allem aber während der 2. Coronawelle, verzweifelte ich fast zuhause, weil ich beim besten Willen nicht herausfand, wie ich
Domicil in dieser stressvollen und emotional wie pflegerisch anspruchsvollen Krise tatkräftiger unterstützen konnte. Alle Mitarbeitenden haben 2020 Ausserordentliches geleistet. Dafür kann ich ihnen allen nicht genug danken.

Sie beenden in diesem Jahr ihr langjähriges Engagement in der Domicil Bern AG. Wie blicken Sie auf diese Zeit zurück?

Ich bin dankbar und auch etwas stolz, an der erfolgreichen Entwicklung von Domicil mitgearbeitet zu haben. Bei Domicil stimmen Werte und Qualität. Domicil ist wirtschaftlich solid. Domicil bietet branchengerechte sichere Arbeitsbedingungen und legt Wert auf ein angenehmes Arbeitsklima.

Was wünschen Sie sich für Ihre berufliche und private Zukunft?

Beruflich habe ich mit bald 70 abgeschlossen. Ansonsten wünsche ich mir griffige Massnahmen gegen den Pflegenotstand. Klatschen während der Corona-Krise reicht nicht. Die Zahl der bis 2030 zusätzlich benötigten Pflegefachpersonen wird auf 70 000 geschätzt. Pflegeleistungen müssen endlich als wertvoller gesellschaftlicher Beitrag anerkannt und die Löhne angehoben werden. Die Politik geht meines Erachtens die Krise des drohenden Pflegenotstandes zu zögerlich an.

ZUR PERSON
Therese Frösch
(70) ist verheiratet und ausgebildete Sozialarbeiterin. Seit 17 Jahren ist sie die Verwaltungsratspräsidentin der Domicil Bern AG. Zudem engagierte sie sich als Gemeinderätin der Stadt Bern und als grüne Nationalrätin. Ihr Lieblingsort in Bern West ist das Gäbelbach Täli.

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