Abfälle entsorgen: Ja – Parkieren: Nein

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Staunen ist angesagt, denn es stellt sich an der Statthalterstrasse die Frage, ob man seine Recycling-Abfälle mit dem ÖV transportieren soll. Behördlich verordnet.

Thomas Fuchs und Janosch Weyermann, SVP-Stadträte zu Bern, verstehen die Welt nicht mehr. Fakt ist: Bei den öffentlichen Sammelstellen der Stadt Bern können Separatabfälle bekanntlich getrennt entsorgt und so sinnvollerweise der Wiederverwertung zugeführt werden. Büchsen und Aluminium, PET-Getränkeflaschen sowie Altglas. Und anderes mehr. 

Nonstop halten die Autos. Nach nicht einmal einer Minute sind sie jeweils wieder weg.

Verschlimmbessert
Auch an der Bottigenstrasse/Statthalterstrasse befindet sich eine derartige Sammelstelle. Dort wurden vor rund zwei Jahren die Kurzzeitparkplätze mit Sitzbänken – die des Krachs herunterfallender Flaschen und Büchsen wegen logischerweise an dieser Lage kaum benutzt werden –  verbarrikadiert. Ursula Wyss, ehemalige SP-Gemeinderätin, sicherte daraufhin mehrmals zu, «eine Optimierung zu prüfen», so Thomas Fuchs in einer Kleinen Anfrage zu Handen des Stadtrats. Wie diese Optimierung aussieht, hinterlässt nicht nur einen ratlosen Thomas Fuchs.

Vor Kurzem wurden nämlich rund um die besagte Entsorgungsstelle zwei Halteverbotssignale montiert, welche seither eine fachgerechte Entsorgung für Auto- und Motorradfahrer verunmöglichen, ausser, man riskiere eine Busse von 200 Franken. 

Nicht nur Thomas Fuchs und
Janosch Weyermann fragen sich deshalb, ob Bümplizerinnen und Bümplizer nun ihren Abfall mit dem Tram oder an die Bernmobil-Station Statthalterstrasse fahren und andere ÖV-Fahrende damit beglücken sollen, wenn beim Ein- oder Aussteigen Transportbehälter ihre Fassung verlieren. Man stelle sich das vor: Leere Flaschen und gebrauchte Büchsen, die sich auf dem Boden verteilen und herumrollen. Eine andere Möglichkeit wäre natürlich der Transport per Leiterwägeli. Oder im Rucksack.

Schilder nicht gesehen
In diesem Zusammenhang ergehen von den beiden Stadträten folgende Fragen an den Berner Gemeinderat: Wo sollen Autofahrer künftig anhalten, wenn sie diese Entsorgungsstelle nutzen möchten? Ist der Gemeinderat bereit, im Bereich der Entsorgungsstelle entweder die Sitzbänke zu entfernen, um so den sogenannten Güterumschlag wieder zu ermöglichen, oder zumindest die Haltverbotstafeln wieder zu entfernen? Wenn nicht, weshalb nicht?

Während der Viertelstunde, die wir bei der Sammelstelle verbringen, halten an die zehn Autos. Thomas Fuchs macht die Leute auf witzige Weise darauf aufmerksam, dass sie Verbotenes provozieren und schlimmstenfalls mit einer 200-Franken-Busse rechnen müssen, obwohl die meisten keine 60 Sekunden anhalten. Das Unverständnis für die Massnahme ist total, alle schütteln den Kopf, auch Gölgäli Veli. Praktisch ausnahmslos haben sie die Tafeln übersehen, die erst seit einigen Wochen dort warnen.

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