«Auf dem Platz fokussiere ich mich nur aufs Spiel»

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Wenn es eine Sportart auf der Welt gibt, die völkerverbindend ist – oder es zumindest sein sollte –, dann ist es der Fussball. 195 von der UNO anerkannte Länder gibt es, der Weltfussballverband, die FIFA, hat sogar über 200 Verbände gelistet. Shaban Zeqiri ist einer von Hunderttausenden in der Schweiz, die dem Ball hinterherrennen.

Shaban Zeqiri, damit nicht alle Jugendliche in dieser Serie die gleichen Fragen erhalten und sich die Lesenden deshalb langweilen, wählen wir jeweils ein bestimmtes Thema aus. Du möchtest über Fussball reden. Weshalb?

Weil ich selber spiele, zu Beginn beim FC Bethlehem, dann beim SC Bümpliz 78, im Moment bei den Junioren B des FC Prishtina Bern. Wir trainieren und spielen auf der Bodenweid.

In welcher Liga spielt ihr?

Unser Team spielt in der Coca-Cola-League, die anspruchvollste Stärkeklasse unseres Alters. Das heisst wir haben aus bekannten Gründen lange nicht mehr spielen können, jetzt aber finden wir auf den Platz zurück, können auch Spiele gegen andere Mannschaften austragen.

Womit wir bereits mitten im politischen Weltfussball wären. Pristina ist die Hauptstadt des Kosovo, der von der UNO noch nicht vollumfänglich als Staat anerkannt ist, weshalb klar wird, warum es mehr FIFA-Verbände als Länder gibt. Spielen nur Kosovaren beim FC Prishtina Bern?

Zu Beginn – 1990 als der FC gegründet wurde – war das vielleicht so, ich selber habe meine Wurzeln dort, heute sind wir Multikulti, wenn man dem so sagen darf. Die Spieler kommen aus verschiedenen Nationen, wir verstehen uns auch als Team. Wir wollen Fussball spielen, das verbindet.

Eine heikle Frage an einen 16-Jährigen folgt jetzt, das bin ich mir bewusst, aber ich habe das Gefühl, dass Du über der Sache stehst.

Da bin ich doch mal gespannt…

Man hört oder liest dann und wann davon, dass es mit Mannschaften aus dem Balkan Probleme auf dem Spielfeld gibt, Provokationen der gegnerischen Teams, in wenigen Fällen sogar Ausschreitungen. Wie siehst Du das?

Ich halte das für übertrieben, erlebe es auch nicht so, aber ich kann nur von meinen eigenen Erfahrungen reden. Wohl um diese Vorurteile gar nicht erst aufkommen zu lassen, sagt unser Trainer immer wieder, wir sollen lieber einmal den Fuss zurückziehen, als unnötige Fouls zu begehen, weil einzelne Schiedsrichter das sonst möglicherweise strenger ahnden, als wenn das ein Spieler des FC Blüemlisalp begeht, um einen Fantasieverein zu nennen. So vermeiden wir auch Eskalationen im Spiel. Klappt.

Toll, diese Backstage-Informationen auch einmal offen lesen zu können. Lieblingsspieler?

Messi und Neymar, beide mit der Rückennummer 10. So wie ich (lacht).

Die Frage aller Fragen zum Schluss: Weshalb Fussball, weshalb nicht… Federball?

Also, wenn schon: Badminton, auch eine anspruchsvolle Sportart. Mit gefällt Fussball, weil es ein Mannschaftssport ist, man gewinnt zusammen – und man verliert zusammen, aber was einen nicht umbringt, macht einen nur stärker. Sicher ist, wenn ich auf dem Platz stehe, blende ich alles andere aus, da zählt nur der
Fussball!

JUGENDLICHE HABEN DAS WORT
Die BümplizWoche ist eine Lokalzeitung für alle Menschen, die im Stadtteil VI wohnen. Aus diesem Grund möchten mit der Serie «Jugendliche haben das Wort» auch Teenager zu Wort kommen lassen. Was junge Leute zu sagen haben, kann Älteren nicht gleichgültig sein. Heute erzählt uns Shaban Zeqiri (16 Jahre alt, 9. Klasse Schule Schwabgut) von seinen Erlebnissen im Sport.

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