«Hinterkappelen ist ein wenig wie Kalifornien»

5 Minuten zu lesen
Der NHL-Rueckkehrer Jonas Hiller posiert fuer den Fotografen an einer Medienkonferenz am Dienstag, 3. Mai 2016, in der Tissot Arena in Biel. Der 34-jaehrige Jonas Hiller verspruehte bei seiner offiziellen Vorstellung beim EHC Biel Optimismus. Der EHC Biel habe sich sehr um ihn bemueht sagte der Goalie weiter. (KEYSTONE/Manuel Lopez)

In Hinterkappelen wohnen bekannte Persönlichkeiten: U20-Speerwurf-Europameister Simon Wieland, Regisseur Charles Benoit, Cartoonist Bruno Fauser oder Radiomann Peter Brandenberger. Vor vier Jahren hat sich auch ein ehemaliger NHL-Star am Ufer des Wohlensees niedergelassen: Jonas Hiller.

«Nach der Rückkehr in die Schweiz wollten wir uns an einem Seeufer in der Nähe von Bern ein Haus bauen. «Da Murten-, Thuner- und Bielersee eine halbe Autostunde entfernt sind, entschieden wir uns für den Wohlensee», sagt der Mann, der mit Davos dreimal Meister wurde und in der NHL für die Anaheim Ducks und die Calgary Flames 437 Spiele bestritt, für das All-Star-Game aufgeboten wurde und für die Nationalmannschaft an vier Weltmeisterschaften und drei Olympischen Spielen teilnahm. 

«Meine Frau ist Bernerin, sie hat hier einen grossen Freundeskreis und führt am Wohlensee das Casa Pilates-Studio (casapilates.ch) für funktionelles und ausgewogenes Körpertraining. Mir gefällt, dass wir einerseits auf dem Land, nahe am Wasser, aber auch in unmittelbarer Nähe einer Stadt leben können – ebenso liebe ich die Mentalität, gemütlich oder eben ‹laid back›, wie in Kalifornien», sagt der ehemalige Star-Torhüter, der von allen Schweizer Goalies in der NHL am meisten Spiele absolvierte.

Präsident und Vater

Jonas Hiller beschäftigt sich in seinem neuen Leben, das zuvor von Eishockey geprägt war, mit seinen zwei Kindern und engagiert sich als Präsident der «Swiss Ice Hockey Players’ Union», kurz SIHPU, der Vereinigung, welche die Interessen der Eishockeyspieler in der Nationalliga gegenüber dem Verband und anderen Institutionen innerhalb des Sports und der Politik vertritt. Diese Funktion belastete Jonas Hiller in den letzten Monaten stark – die Diskussion über die Aufstockung der Anzahl Ausländer sorgte für rote Köpfe. 

«Das Schweizer Eishockey war bisher so erfolgreich, weil hier Top-Ausländer spielen, von deren Klasse die Schweizer profitieren und die auch Vorbilder für den Nachwuchs sind. Aber wenn plötzlich sieben Ausländer erlaubt wären, wie sollen dann Schweizer im Powerplay oder Boxplay zum Einsatz kommen und diese speziellen Situationen an grossen Turnieren beherrschen?» Hiller hofft, «dass wir zusammen mit der Liga eine vernünftige Lösung finden.»

Open-Air vor 54 000 Zuschauern

Wer Jonas Hiller nach Höhepunkten seiner schillernden Karriere fragt, stellt ihn vor Probleme, denn deren gibt es viele. Begonnen hat alles in Uzwil, wo die Familie neben der Eishalle wohnte. Die Eltern waren Basketballer und sie wollten, dass sich auch die Söhne sportlich betätigen. Doch die Gebrüder zog es nicht zum Basketball, sondern zum Eishockey. Als Junior spielte der Goalie beim SC Herisau, von wo ihn der Torhüter-Trainer Marcel Kull bei seinem Wechsel zum HC Davos gleich mitnahm. Nach drei Meistertiteln und zwei Spengler Cup-Siegen zog der Ostschweizer, ohne gedraftet worden zu sein, in die NHL. 352 Mal stand Hiller für die Anaheim Ducks zwischen den Pfosten, 85 Mal für die Calgary Flames, er wurde für das All-Star-Game nominiert – verständlich, dass es nach einer solchen Karriere schwer fällt, Höhepunkte hervorzuheben. «Da gilt es mein erstes Spiel mit Anaheim gegen die Los Angeles Kings zu erwähnen, das in London stattfand, den Outdoor-Match in Los Angeles vor 54 000 Zuschauern, als mir beim 3:0 gegen die Kings ein Shutout gelang, das All-Star-Game, aber auch die Zeit in Davos und zuletzt in Biel, die ich ebenso wenig missen möchte wie die grossen Turniere mit der Nationalmannschaft.»

Nach drei Olympiaturnieren, vier Weltmeisterschaften, neun Jahren in der National Hockey League und der Zeit in Davos und Biel sind die Jahre der enormen Belastung vorbei. Jonas Hiller geniesst das Leben mit seiner Familie und die Betreuung der Kinder am idyllischen Wohlensee. Pierre Benoit

ZUR PERSON
Jonas Hiller
wurde am 12. Februar 1982 in Wattwil geboren. Er spielte für den SC Herisau, Lausanne HC, HC Davos, die Anaheim Ducks, die Calgary Flames und den EHC Biel. Dreimal Meister mit Davos, 437 NHL-Spiele. Mit der Nationalmannschaft dreimal an Olympischen Spielen und viermal an Weltmeisterschaften. Er lebt in Hinterkappelen.

Weitere Artikel in der Kategorie Sport