Nach dem Überfall auf die Tscharni-Tankstelle

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Am 26. April wurde die Avia-Tankstelle an der Fellerstrasse überfallen, nicht zum ersten Mal. Der Täter bedrohte den anwesenden Angestellten mit einem Messer und forderte Bargeld. Wie gehen die Mitarbeitenden damit um, wie die Nachbarn? Wir haben nachgefragt. 

Der 19-Jährige, der von der Polizei ermittelt werden konnte, sei geständig. Dies teilte die Kantonspolizei Bern nur wenige Tage nach dem Überfall mit. Der Tatverdächtige wird sich vor der Justiz zu verantworten haben. Damit ist der Fall aber nicht erledigt, vor allem für Mitarbeitende von Tankstellen nicht, die unliebsame Erfahrungen mit Kriminellen machen. 

Nicht den Helden spielen

Im Vorfeld solcher Überfälle steht bei allen Tankstellenbetreibern, bei denen wir nachgefragt haben, das Verhalten in solchen Situationen im Vordergrund. Es gilt: Nicht den Helden spielen wollen, den Forderungen nachkommen, denn schliesslich befindet sich in Zeiten von Plastikgeld nur wenig Bares in den Kassen, zur Enttäuschung der Verbrecher. Wichtig für die Polizei ist dagegen die nachträgliche Täterbeschreibung, eine möglichst genaue, trotz des Schocks bei einer solchen Begegnung. Jedes Detail ist dabei wichtig, um zusätzlich zu vorhandenen Videoaufnahmen ein genaues Signalement der Täterschaft zu erhalten. 

Daniel Hofer, Unternehmensleiter der Migrol, die an der Fellerstrasse ebenfalls eine Tankstelle betreibt, bringt es auf den Punkt, ohne sicherheitsrelevante Aspekte preiszugeben. Seine Angaben gelten zum Teil auch für andere Tankstellen: Selbstverständlich gehöre das Thema «Überfall» in die Schulung des Tankstellenpersonals. Schulungen fänden immer wieder statt, da insbesondere auch neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in alle wichtigen Themen eines Tankstellenbetriebs eingeführt werden müssten. Passiere irgendwo ein Überfall, werde bei Migrol sofort ein Care-Team für die Betroffenen aufgeboten.

Avia hört Ende Juli auf

Die Mitarbeitenden sind die einen, die nach einem derartigen Ereignis geprägt sind, die anderen die Nachbarn, die Kunden, die wissen, was passiert ist. Fürchten sie sich danach, im Tankstellenshop einzukaufen oder – wie im Fall an der Fellerstrasse – bei anderen Geschäften und Dienstleistern, die sich in der gleichen Überbauung befinden? Erstaunlich: Niemand scheint einen Bogen um den Tatort zu machen.

Anwohnerin E.T., schätzungsweise 80 Jahre alt, sie möchte nicht mit vollem Namen genannt werden, findet den Überfall «ein Zeichen der Zeit», wie sie uns sagt. Hauptsache für sie sei, dass niemand verletzt worden ist. A.S., die gerade zum Tanken vorfährt, weiss vom Überfall nichts, wundert sich bloss. Deswegen aber anderswo Benzin nachfüllen? «Sicher nid!», antwortet sie.

«Nein, ich habe keine Angst», sagt auch A.S., der im Tscharni wohnt, «höchstens ein etwas unsicheres Gefühl, aber das legt sich mit der Zeit dann schon.» Die Nachbarn selber seien ja nicht an Leib und Leben bedroht, es gehe in diesem Fall um die Mitarbeitenden, «die mir leid tun». Den Überfall hat er hautnah miterlebt, das heisst, die unmittelbare Zeit danach. «Da war alles abgesperrt, der Laden geschlossen.» Er spricht auch davon, dass Avia die Tankstelle per Ende Juli aufgibt. Dies wiederum bestätigt der BümplizWoche Silvia Manser von der Medienstelle der Spar Handels AG: «Wir geben diesen Standort aus wirtschaftlichen Gründen auf. Es gibt bereits einen SPAR express in unmittelbarer Nähe, an der Bethlehemsstrasse.» 

Was mit der frei werden Fläche passieren wird – und ob sich wieder eine Tankstelle einmieten wird – lässt sich noch nicht sagen. Die Liegenschaftenverwaltung kann zum Zeitpunkt unserer Anfrage noch keine konkrete Angabe machen.

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