«Fussball ist verbindend, der Beweis ist unser Team»

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Dieses Mal weicht die Interview-Reihe etwas vom gewohnten Schema ab. Wir reden mit einer jungen Frau, die eng mit vielen Teenagern zusammenarbeitet, mit Natalie Ryser, die die 4.-Liga-Fusballerinnen des FC Bethlehem trainiert.

Ihre Trainerin Natalie Ryser

Natalie Ryser, Sie studieren Psychologie. Wie stark hilft Ihnen das bei der Betreuung der von Ihnen trainierten Spielerinnen?

(Überlegt relativ lange, beginnt dann zu lachen) Ehrlich gesagt, überhaupt nicht! Ich will die Spielerinnen ja nicht psychologisieren… Man sagt mir seither ein gutes Gschpüri für Menschen nach, ich denke, das ist das Wichtigste. Ich lerne selber aber auch viel dabei. Wissen Sie, mehr als die Hälfte unseres Teams besteht aus Teenagern. Und die kommen erst noch aus vielen Ländern, wie das in Bümpliz-Bethlehem eben eher der Fall ist, als auf dem Land. Wir bringen verschiedene Kulturen und Temperamente unter den berühmten Hut. Spannend. Auch für mich.

Ich höre, dass einige Teams des FCB bei anderen Mannschaften nicht den besten Ruf haben sollen…

Soso, hören Sie also… Das überrascht mich nicht wirklich, das ist mir auch schon zu Ohren gekommen. Ach, wissen Sie, diese Vorurteile. Das aber ist eben eine grosse Chance für uns, die wir immer wieder zu packen vermögen. Trotz – oder gerade wegen? – unseres Multikulti-Teams beweisen wir, dass das Spielfeld kein Schlachtfeld ist. Und deshalb kommt es regelmässig vor, dass ich nach einem Match Komplimente zum Auftreten des Teams erhalte, Motto: «Euer Spielerinne sy ja ganz anders als mer zum Teil ghört». 

In unserer Serie fällt auf, dass sich keine Schülerinnen oder junge Frauen zum Gespräch mit der BümplizWoche melden. Weshalb könnte dem so sein?

Gute Frage, die Ihnen die Psychologin so nicht beantworten kann. Möglicherweise hängt es damit zusammen, dass wir in Bümpliz-Bethlehem einen grösseren Ausländeranteil als anderswo haben. In einer Vielzahl von Familien ist das traditionelle Rollenverständnis der Männer ihren Ehefrauen und Töchtern gegenüber möglicherweise ein anderes, als wir es uns als Einheimische gewohnt sind. So kann es schon mal vorkommen, dass Fussball «nichts für eine Frau ist». Ich bin aber überzeugt, dass auch hier ein Gesinnungswandel stattfindet. 

Sind Sie als Trainerin demzufolge auch Anlaufstelle für junge Frauen und ihre persönlichen Anliegen?

Ja, durchaus. Meine Spielerinnen vertrauen mir, wissen, dass sie mit Fragen immer zu mir kommen können, dass ich sie niemals gegen jemanden aufhetzen würde. Wenn ich vermitteln kann, umso besser. Man sagt, Fussball sei die schönste Nebensache der Welt. Das stimmt. Nicht zuletzt deshalb, weil Fussball völkerverbindend ist, der beste Beweis ist unser Frauenteam. 

Was beschäftigt Ihre Fussballerinnen denn?

Ihre Ausbildung, sie alle möchten vorwärtskommen. Das führt halt dazu, dass das Fussballtraining nicht wie gewohnt besucht werden kann, weil berufliche Pflichten anstehen.


JUGENDLICHE HABEN DAS WORT 

Die BümplizWoche ist eine Lokalzeitung für alle Menschen, die im Stadtteil VI wohnen. Aus diesem Grund möchten mit der Serie «Jugendliche haben das Wort» auch Teenager zu Wort kommen lassen. Was junge Leute zu sagen haben, kann Älteren nicht gleichgültig sein. Heute erzählt uns Natalie Ryser (24 Jahre) über ihre Tätigkeit als Trainerin der Frauenmannschaft des FCB.

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