Von der Freude am Helfen

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Zeit schenken macht glücklich: Das Ehepaar Savoia engagiert sich seit mehr als einem Jahrzehnt ehrenamtlich im Domicil Steigerhubel. Für die beiden Senioren eine Selbstverständ­lichkeit und Freude.

An diesem Frühlingstag im Domicil Steigerhubel kann man es sogar hinter den Hygienemasken erkennen: Das glückliche Lächeln von Silvia und Mario Savoia. Das Ehepaar ist froh, dank der Lockerungen endlich wieder die Freiwilligenarbeit im Domicil aufnehmen zu können. «Gestern konnten wir das Lotto veranstalten», erzählt Silvia Savoia. Sie und ihr Mann haben den Kontakt zu den Bewohnenden und Mitarbeitenden in der Coronakrise sehr vermisst. «Nach der monatelangen Pause haben wir unsere drei Helferinnen sofort gefragt, ob wir das Lotto nun eine Weile alle zwei Wochen anbieten könnten. Sofort waren alle begeistert.» Eine Freiwillige reist gar extra aus Zürich an. Das aufgestellte Ehepaar nickt: «Wir werden sehr unterstützt und geschätzt hier, von den Bewohnenden und der Leitung.» 

Vielfältig und bereichernd
So helfen die Savoias seit nunmehr 13 Jahren ehrenamtlich im Domicil Steigerhubel aus, sind bei Ausflügen und Lesungen engagiert. «Manchmal bedienen wir auch im Restaurant, wenn eine helfende Hand gebraucht wird», erzählt Mario Savoia. Er setzt sich dann auch zu den Bewohnenden und hält einen Schwatz. Es sind diese kleinen Zeitgeschenke, die das Ehepaar gerne gibt. Beide wuchsen in der Nachbarschaft auf. In Kontakt mit dem Domicil Steigerhubel kam das Paar, das heute in Hinterkappelen wohnt, durch Silvia Savoias Mutter, die hier regelmässig zu Mittag ass und zeitweise ein Zimmer bewohnte. «Das Essen ist sehr gut. So kamen wir oft hierher», erinnert sich Pensionärin Savoia und lacht. Als ihre Mutter mit 97 Jahren verstarb, entschlossen sich die Savoias dem Haus als Freiwillige verbunden zu bleiben. «Anfangs wohnten hier viele Menschen, die wir noch aus unserer Kindheit kannten», erinnern sie sich. Respekt und Mitmenschlichkeit haben sie aus ihrer Erziehung mitgenommen. Seit insgesamt über 50 Jahren engagieren sie sich schon ehrenamtlich. «Wenn man genug im Leben hat, warum nicht ein wenig Zeit schenken. Man bekommt hier so viel zurück, das ist mehr wert als alles Geld der Welt», so Silvia Savoia. Sie fühle sich wie in einer grossen Familie.

Beziehungen und Dankbarkeit
Neben all den bereichernden Erfahrungen gehört auch das Abschiednehmen zu Savoias Zeit im Domicil. «Wenn wir ins Haus kommen und es brennt wieder eine Kerze für einen Verstorbenen, tut uns das weh», sagt Mario Savoia. Ein Erlebnis hat seine Frau aber besonders berührt. «Vor einigen Jahren wurde ich von einer Mitarbeiterin gefragt, ob ich mit einer Dame reden möchte, die im Sterben liegt. Ich wollte es versuchen. Als ich an ihr Bett trat, sah ich ihre weitaufgerissenen Augen, voller Angst.» Intuitiv fand Silvia Savoia die richtige Haltung und betete um helfende Engel. «Dann drehte sich die Bewohnerin um und schief ein. Eine Stunde später erzählte mir die Pflegeleiterin, dass die Dame friedlich entschlafen sei.» Bis heute erfüllt Silvia Savoia das Erlebnis mit Respekt und Dankbarkeit.

Erstes Date im Spital
Neben seinem Engagement unternimmt das rüstige Paar viele Spaziergänge, Silvia Savoia schreibt berndeutsche Geschichten und Versli. «Wir geniessen unsere Pension in vollen Zügen», sagt Mario Savoia. Sie haben einen Sohn, eine Schwiegertochter, zwei Enkelkinder und einen Urenkel. Dabei begegnete sich das Paar nur auf Umwegen. In der Schulzeit verhinderte ein kleiner Altersunterschied das Kennenlernen. Erst als ihr Mario Savoias Schwester ein Foto ihres feschen Bruders zeigte, verguckte sich Silvia: «Oh, das ist aber ein Schöner.» Per Briefpost erfuhr Mario von seiner Verehrerin, die er nach ihrem Auslandsaufenthalt endlich von Angesicht zu Angesicht sehen konnte. «Ich musste wegen Nierenbeschwerden ins Spital. Und plötzlich kam er durch die Tür. Seitdem sind wir ein Paar», fasst es Silvia Savoia heute zusammen und wirft ihrem Mario einen verschmitzten Blick zu. Glücklich feiert das Paar demnächst seinen 57. Hochzeitstag. Liebe, Vertrauen, Ehrlichkeit seien ihr Rezept. Die beiden über 80-Jährigen sind dankbar für ihre bisher langanhaltende Gesundheit. Und sollte es zu Hause irgendwann gesundheitlich nicht mehr klappen, ist sich Silvia Savoia sicher: «Wenn in ein Alterszentrum, dann möchte ich auf jeden Fall ins Domicil Steigerhubel.»


MÖCHTEN SIE SICH ENGAGIEREN?

Domicil Steigerhubel fördert und unterstützt die Mitarbeit von Freiwilligen. Frauen und Männer, die eine sinnvolle Tätigkeit übernehmen möchten, sind herzlich willkommen. Wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme. 

Natascha Radenovic, Geschäftsleiterin; domicilbern.ch; steigerhubel@domicilbern.ch; Tel. 031 380 16 16


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