In Bümpliz flattern die Friedhof-Falter

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Während die Stadt am Friedhof sparen will, zeigt sich das Areal von seiner lebhaften Seite. Dort wohnen seit Neuestem farbenfrohe Schmetterlinge.

Der Schmetterling gilt als Symbol für Seele und Aufer­stehung. «Wir möchten ihm deshalb auf unserem Friedhof gebührend Lebensraum schaffen, indem wir die Bepflanzung mit schmetterlingsgerechten, einheimischen Wildpflanzen fördern.» Andreas Sahli, Leiter des Bümplizer Friedhofs, hat diese Absicht nachhaltig umgesetzt. Heute gaukeln etwa ein Dutzend Tagfalter- und mindestens ebenso viele Nachtfalter-Arten über die Anlage und laben sich am Nektar der vielen Blumen.

 

Treffpunkt der Schmetterlinge: die Themengräber
«Erdbestattungen mit einem klassischen Grabmal sind rückläufig. Mit den Themengrabfeldern wurde dem Bedürfnis nach neuen Grabformen Rechnung getragen», erklärt Hans Jörg Grädel, Bereichsleiter Friedhöfe und Stadtgärten von Stadtgrün. Neben dem Thema Blumen und Blüten gibt es eben die in der Schweiz einzigartige Grabstätte «Schmetterlinge».

Diese Grabplätze sind eine neue Form zwischen pflegeaufwändigem Einzel- und anonymem Gemeinschaftsgrab. Auf einer offenen Rasenfläche sind mehrere quadratische Beete mit mehrjährigen Blütenstauden bepflanzt. Zu jedem Grabplatz gehört eine Steinplatte zur Ablage von Grabgaben. 

 

«Wer Schmetterlinge liebt, muss Raupen mögen»
Unter diesem Motto installierte der Bümplizer Schmetterlingszüchter Papa Papillon beim Blumenladen im Friedhof eine Anlage zur Aufzucht von Schwalbenschwanz-Raupen. In drei Netzbehältern, sogenannten Aerarien, werden die Raupen mit Fenchelkraut und Weinraute gefüttert, bis sie sich verpuppen. Das Aerarium bietet Schutz gegen die vielen Fressfeinde (Vögel, Fledermäuse, Spinnen, Käfer, Igel und Eidechsen), aber auch gegen Parasiten wie die Raupenfliegen oder Schlupfwespen.

Täglich beobachten Friedhofsbesucher die spannende Metamorphose vom Ei zur Raupe, zur Puppe und dann zum fertigen Falter. Eine Frau bringt Blumen zum Grab ihres Mannes und sagt uns: «Neues Leben entsteht hier am Ort der ewigen Ruhe. Das gefällt mir.»  

 

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