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Ein fiktiver Bornhauser-Krimi mit Schauplatz Bümpliz-Nord

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Ein Mord in der Bahnhofsunterführung Bümpliz.

Unser Autor Thomas Bornhauser kann es nicht lassen: Als begeisterter Krimiautor hat er einen Kurzkrimi in Berns Westen geschrieben. Das Ergebnis ist die fiktive Geschichte mit dem Titel: «Ein Toter in der Unterfürhung des Bahnhofs Bümpliz-Nord».

Der Tatort in der Unterführung ist abgesperrt: Die Bahnreisenden bei der BLS-Station in Bümpliz-Nord werden kurz vor 10 Uhr am Sonntagmorgen umgeleitet, für einmal nicht ihre Züge. Die Begeisterung über diese Massnahme hält sich bei den Leuten in sehr engen Grenzen, aber die Absperrung hat ihren Grund, nämlich eine am Boden liegende Person. Keine Alkoholleiche, eine echte.

Viktor Kneubühl, Leiter des Dezernats Leib+Leben bei der Kantonspolizei Bern – seine Bekannten nennen ihn wahlweise Fige oder Chnebu – kann nicht anders. Wie in den Kriminalfilmen am TV üblich, stellt auch er Esther Hasler, Spezialistin am Institut für Rechtsmedizin IRM in der Berner Länggasse, die Mutter aller Fragen: «Kann man schon etwas zur Todesursache und zum Todeszeitpunkt sagen?» Es folgt als Antwort, was folgen muss: «Fige, Genaueres erst…» – «…wenn Du ihn auf dem Tisch hattest.» – «Genau. Dennoch zwei Hinweise: Die Leichenstarre hat noch nicht eingesetzt. Ich schätze, dass der Tod in der letzten Stunde eingetreten ist.» Zudem, so die Rechtsmedizinerin, sei die Haut des Opfers hellrot verfärbt, das deute auf eine Vergiftung durch Cyanid hin. Als «irritierend» bezeichnet Esther Hasler hingegen den Umstand, dass das Opfer aus dem Mund heraus nicht mandelbitter riecht, dass schliesse eine orale Einnahme praktisch aus. «Also kein Zyan-Cola…», witzelt Kneubühl, was Graber den Kopf verständnislos schütteln lässt.

Die Schaulustigen
Über den Vorfall informiert wurde die Polizei über die Notrufnummer 117 um 09.32 Uhr. Ein Pflegefachmann im Alterswohnheim Domicil Schwabgut an der Normannenstrasse, war auf dem Weg zur Arbeit und fand den ungefähr 50-jährigen Mann regungslos in der Unterführung liegend. Er versuchte sofort, ihn mit einer Herzmassage zu reanimieren, ein Rettungsversuch, der nur Minuten später von einem Arzt der Sanitätspolizei weitergeführt wurde. Erfolglos. Praktisch zur gleichen Zeit wie die Sanitätspolizei traf eine Polizeipatrouille ein, die angesichts des Ereignisses das ganze «Rösslispiel» anforderte, das da hiess: Team Leib+Leben, IRM, Kriminaltechnik, Staatsanwalt, Medienstelle.

An diesem Morgen prägen Dauerregen und Sturmböen die Szenerie, wirklich kein Wetter, um das Haus freiwillig zu verlassen. Weil Sonntag, herrscht eh Flaute, im Gegensatz zu den Werktagen. Das erklärt auch, weshalb es keine Zeugen zum eigentlichen Vorfall gibt. Befragungen von Gaffern, die lediglich die Autos der Blaulichtorganisationen zu sehen bekommen, ergeben nichts. Es hatte sich nämlich trotz Wind und Wetter rasch herum gesprochen, dass sich «am Bahnhof etwas tut», was für einzelne Zeitgenossen und Zeitgenossinnen den Startschuss bedeutete, die Wohnung dennoch Hals über Kopf zu verlassen, selbstverständlich nur, um am Kiosk angeblich eine Sonntagszeitung zu kaufen.

Der Mercedes

Nicht gerade hilfreich für die Recherchen der Polizei dabei der Umstand, dass die Unterführung nicht videoüberwacht wird. Zudem hatte die Nässe im Tunnel alles, im wahrsten Sinn des Wortes, verwässert. Ziemlich rasch lässt sich immerhin die Identität des Toten feststellen: Aleksandr Ugromow, er wiederum kein Unbekannter, wenn man sich für internationale Politik interessiert, als einer der erklärten Gegner des russischen Präsidenten. Ugromow hatte vor nicht allzulanger Zeit Asyl in der Schweiz beantragt und erhalten. Was er in Bern-Bümpliz wollte, mussten die folgenden Ermittlungen aufzeigen.

Interessant in diesem Zusammenhang eine Beobachtung von Martina Bögli, Leiterin des BLS-Reisezentrums. Sie sagte aus, dass ihr gegen 09.30 Uhr ein grosser Mercedes mit verdunkelten Scheiben auf dem Areal aufgefallen wäre. Auf das Kontrollschild habe sie nicht geachtet. Der Fahrer hätte «sicher 10 Minuten gewartet», bis dann zwei Männer eingestiegen seien. Als sie eine Minute danach  – «Ich war an der Beratung eines Kunden» – wieder in Richtung Mercedes geschaut hätte, sei der Wagen verschwunden.

Nur wenig später startete ein Privatjet von Payerne aus in Richtung Moskau. An Bord auch die beiden Herren, die mit einer Giftspritze ihren Job erledigt hatten. Wie man vom Mord im Berliner Tiergarten her weiss, war es nicht das erste Mal, dass russische Regimekritiker im Ausland mundtot gemacht wurden, dieses Mal lautlos mit einer von hinten angesetzten Giftspritze. Dies alles würden die Ermittler jedoch erst später herausfinden. Ihre Erkenntnisse sollten zu heftigen diplomatischen Spannungen zwischen Bern und Moskau führen, in deren Verlauf jeweils zwei Diplomaten des Landes verwiesen wurden.

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