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Endlich wieder volle Fahrt am Europaplatz

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Nach einem Jahr Pause finden Ende Oktober und Anfang November wieder die öffentlichen Vorführungen der Hobby-Modelleisenbahner statt. Präsident Thomas Kammermann und der technische Leiter Marc Folly berichten, wie der Verein die Corona-Krise überstanden hat. 

«Wir müssen hier noch aufräumen, bevor die Vorführungen starten», erklärt Marc Folly, Vizepräsident und technischer Leiter, während er die Tür zum bekannten Clubhaus des Berner Modell-Eisenbahn-Club BMEC unter der Autobahnbrücke am Europaplatz an der äussersten Grenze zu Bümpliz aufschliesst. Zwischen den grossen Modellbahnanlagen stehen Tische mit Lampen, Werkzeug und Modellbahnkleinteilen. «Das kommt alles weg, bis die Besucher da sind.» In einer Ecke finden sich Putzeimer und Wischmopp. «Wenn die Familien mit ihren Kindern und die anderen interessierten Besucherinnen und Besucher kommen, soll alles frisch und tipptopp aussehen.» So manche oder so mancher sei aus dem Staunen gar nicht mehr herausgekommen, wenn er das erste Mal die Anlage sehe, sagt Marc Folly. 

Das glaubt man ihm sofort, denn die Ausstellung am Europaplatz bietet den Besucherinnen und Besuchern jede Menge Spannendes aus der Welt der Modelleisenbahn. Auf zwei Anlagen mit einer Gesamtfläche von 229 Quadratmetern haben die Mitglieder des Modellbahnclubs in liebevoller Kleinarbeit eine Miniaturwelt errichtet, die sich vor der originalen Schweiz nicht verstecken muss. Es gibt Berge, Tunnel, Flüsse, Helikopterdepots, Weinberge, Wanderwege und viele mehr. Alles durchzogen von einem spannend angelegten Schienennetz. «Bei uns kann man wirklich sehen, wie die Züge fahren», weiss Thomas Kammermann, Präsident des Clubs, und meint damit im Besonderen die Tatsache, dass man um die grosse 0-Anlage komplett herumgehen kann. «Das gibt es äusserst selten.» Zudem warten rund 30 Züge auf der grossen und rund 40 auf der kleinen Anlage auf die Besucherinnen und Besucher. Insgesamt sind auf der 0-Anlage 100 Weichen und 800 Meter Schienen verbaut. Eine tolle Sache also und eine riesige Freude für Gross und Klein.

Mit liebevollen Details haben die Mitglieder des Clubs ihre Anlage ausgeschmückt.

Entspannt aus der Krise
Der Club hat die Corona-Krise relativ glimpflich überstanden, wie die beiden Chargen berichten. Sicher, man habe sich auch immer an die Corona-Regeln gehalten, Spass habe das aber nicht gemacht. «Im ersten Lockdown haben wir das Clubhaus komplett geschlossen», sagt Folly. Besonders schade sei natürlich die Absage der jährlichen Vorführungen im vergangenen Jahr gewesen. Eines der grossen Highlights des Vereins. 

«Viele Leute aus dem Quartier sagen uns, dass ein Herbst ohne Anlässe beim BMEC kein richtiger Herbst sei. Das gehört für viele einfach zum Standard-Programm», erklärt Kammermann. Umso schwerer sei es gewesen, im vergangenen Jahr auf die Anlässe zu verzichten. «Es war sehr schade, dass wir den Menschen unser Hobby nicht präsentieren konnten», sagt Kammermann weiter. Für den Präsidenten und den technischen Leiter war es vergangenes Jahr übrigens das erste Mal während ihrer Mitgliedszeit, dass die Anlässe ausgefallen sind – Kammermann ist schon seit 1991 dabei und Folly seit 2001. Zudem stellen die Anlässe mit die wichtigste finanzielle Einnahmequelle des Vereins dar. Hat der Ausfall im vergangenen Jahr dann kein grosses Loch in die Kasse gerissen? «Schön war es nicht, aber wir haben es überstanden.» Damit spielt Kammermann auf die lange Geschichte  Clubs an, in der man für solche Fälle auch Rücklagen angehäuft hat. 

Umso mehr freuen sich die beiden auch stellvertretend für die restlichen Mitglieder, dass es jetzt wieder losgeht. Die Flyer sind gedruckt und das Clubhaus herausgeputzt. Einzig an den Neuerungen muss noch etwas geschraubt und gebastelt werden. «Wir versuchen, den Leuten jedes Jahr etwas Neues zu bieten», sagt Marc Folly. Mal sind dies neue Lokomotiven oder Wagen, manchmal neue Landschaftsteile oder Verbesserungen der Anlage selbst. Was es dieses Jahr sein wird, möchte Folly noch nicht verraten. Ein Seitenblick von ihm auf ein Bastelgestell verrät aber, dass darin noch jede Menge Arbeit steckt. 

Der BMEC

Der Berner Modell-Eisenbahn-Club wurde 1936 gegründet. Er ist somit einer der ältesten 
Modelleisenbahn-Vereine in der Schweiz. Momentan besitzt der Verein rund 150 Mitglieder, die sich regelmässig im 1986 eingeweihten Clubhaus am Europaplatz treffen. Dort stehen eine Anlage im Format Spur 0 mit 165 Quadratmetern sowie eine für die Formate H0 und H0m, die 64 Quadratmeter umfasst. Zudem gibt es einen Führerstands-Simulator. Infos unter bmec.ch.

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