//

Aaregusler und Zinökler:«Zäme fägts dopplet!»

8 Minuten zu lesen
Jeanine Zimmermann, ihres Zeichen Majorin der Zinökler, hat gut lachen. Die zwei Vereine haben sich musikalisch gefunden. «Ein wahrer Volltreffer! Am gemeinsamen Probeweekend in Schwarzenburg haben wir uns richtig kennengelernt und sofort gespürt: die Chemie stimmt. Zusammen Spielen verdoppelt den Spass.»

Zwei Guggenmusiken aus dem Westen von Bern sind weit herum bekannt. Sowohl die Aaregusler wie auch die Zinökler lernen das Jahr über eingängige Musikstücke für die närrische Zeit und feilen an Choreografien. Das macht riesig Spass, wie unser Schreiber an der Hauptprobe miterleben durfte. 

Jede Gugge übte nämlich das Repertoire der anderen, und jetzt spielt man die Hits gemeinsam. Und wie! Die vereinte A&Z-Formation kommt wuchtig daher. 

Polo Hofer wird von oben hoch erfreut zuhören, wenn sie sein «Wyssebüel» nicht einfach schräg, sondern mit viel Leidenschaft zum Besten geben. Tambouren geben den Herzschlag, und die Bläser schluchzen den Text:

«U nachem ne Kuss isch alles klar, Mini Tröim wärden ändlech wahr, I bi verliebt, es isch es herrlechs Gfüehl, I nes Meitschi vom Wyssebüehl.» 

Die Guggen musizieren gemeinsam, bleiben aber selbständige Vereine. Wer Trompete, Posaune, Sousaphon oder Euphonium spielt, etwas Noten lesen kann, ist hoch willkommen. Mehr steht unter 
aaregusler.ch und zinoekler.ch

Berner Fasnacht 2020 und 2021: Der Schock
Dieses Jahr fand keine Berner Fasnacht statt, und was im Vorjahr geschah, erzählt uns hier die Aaregusler-Präsidentin Elli Koch. 

«28. Februar 2020, Freitagmorgen, die zwei schönsten Tage liegen vor uns. Die Sonne scheint, der Himmel ist stahlblau und für den ganzen Tag sind milde Temperaturen angesagt. Wir werden mehr als zwölf Stunden auf den Beinen sein, und dies im Freien. Die Kinderfasnacht und deren Umzug ist für diesen Freitag angesagt. Wie freue ich mich auf die vielen, kunterbunt verkleideten Kinder. Am Samstag ist dann der grosse Umzug durch die Altstadt von Bern. 

30 000 bis oft mehr als 50 000 Personen säumen die Strassen. Ich darf gar nicht daran denken: ein besonderes Erlebnis für uns Guggen – es chrüselet mi grad! 

Ich ziehe mein mit viel Aufwand verbundenes Jubi-Kostüm an. Wir Aaregusler feiern unseren 30. Geburtstag. Eine Gugge mit viel Tradition. Nicht nur ich, sondern alle Mitglieder sämtlicher Guggen können es kaum erwarten, bis es endlich losgeht! Es wurde viel geprobt und gefeilt. Man will sich vor heimischem Publikum im besten Licht zeigen. Das musikalische Repertoire ist breit und anspruchsvoll. Wir spielen nach Noten, und die wenigsten Guggenmitglieder spielen sonst in einem Musikverein. Die meisten haben das Notenlesen im Selbststudium erlernt.  

Und dann musste am Freitagmorgen alles abgesagt werden. Es dauerte eine Zeit, bis wir alle die Tragweite der Absage realisieren konnten. Fassungslos, schockiert, traurig, wütend, nicht vorstellbar, ich möchte aus diesem Alptraum jetzt aber erwachen. Das chöit er doch nid mache! Schlimme Gefühle und Gedanken, die jeder Gugger in sich gefühlt hat. 

Natürlich konnten wir alle zu diesem Zeitpunkt noch nicht erahnen, was noch alles auf uns zukommt. Im Nachhinein sicherlich der einzig richtige Entscheid!   

Man konnte sich nicht mehr treffen, die Musikproben fehlten.
Wie geht es jetzt weiter mit den Auftritten? Das hat einige, oft langjährige Mitglieder aller Guggen dazu bewogen, den in Gedanken gefassten Entschluss – «Ich höre in unmittelbarer Zukunft auf» – früher als eigentlich geplant in die Tat umzusetzen. Spätestens im Herbst 2020, nachdem schon wieder alles abgesagt werden musste, gaben einige den Austritt aus dem Verein. Gleichzeitig haben sich einige Mitglieder aller Guggen neu orientiert und ein anderes Hobby gesucht. Von ein paar Gugger weiss ich, dass sie sich mit dem Coronavirus infiziert haben. Die Folgen dieser Erkrankung erlauben ihnen heute nicht mehr, ihr Blasinstrument spielen zu können. Jetzt fehlt das nötige Lungenvolumen.»

Kein Fasnachtsumzug in Bümpliz
Fasnacht fand früher nicht nur in der Altstadt von Bern statt. Eine eigene Fasnacht organisierte der Schulkreis Stapfenacker. Rund 17 Klassen beteiligen sich am Fasnachts-Samstag an einem Umzug durch Bümpliz. Er führte vom Fellerstock zum Stapfenackerschulhaus. Daneben gab es auch während vieler Jahre die Gäbelbach-Fasnacht, jeweils eine Woche nach der Berner Fasnacht. Der Maskenball im grossen Gäbelhussaal stand unter dem Motto «E heissi Sach».

2022 findet sich keine Organisation, auch keine Schule, die bereit ist, in Corona-Zeiten einen Kinderumzug zu organisieren. Man scheut das Risiko, den Virus unter den Beteiligten und Zuschauern zu verbreiten. Auch im Sternen Bümpliz wird auf einen Fasnachtsball verzichtet. «Aber für 2023 wollen wir uns mit den Interessierten zusammensetzen», sagt Roni Huber vom Restaurant Sternen, «und wieder ein richtiges Fasnachtswochende auf die Beine stellen. Die Tradition soll wieder aufleben.»

Die Fasnacht verbindet. So auch die beiden Vereine Zinökler und Aaregusler. Beide Vereine arbeiten während der Fasnachtszeit zusammen. Fotos: Marc de Roche

Aaregusler-Major Steffu Hagi gibt den Einsatz. Die Musikanten sind auch an der Hauptprobe hoch konzentriert. Nur einmal… «Aber das ist gut so,» meint der gut gelaunte Vollblut-Musiker, der auch in der Westside-Band Tuba spielt, «Falsche Töne in der Hauptprobe führen zu einer perfekten Premiere.» Guggenmusik ist für ihn nicht einfach schmetterndes Getöse, sondern schräge Interpretationen von bekannten Melodien. Steffu Hagi kann seine Musiker motivieren. Alle Beteiligten machen ihre Sache mit allergrösstem Herzblut. 

Was bedeuten die Namen der beiden Guggen?
Die Aare prägt das Stadtbild von Bern. Und «gusle» ist typisches Berndeutsch, bedeutet stochern, graben, höhlen, aber auch necken, aufstöbern, nicht in Ruhe lassen, ja ärgern. Die Aaregusler wollen Bewegung in die Berner Fasnacht bringen, eben richtig «guslen». 
Die Zinökler sind im Namen weniger hintergründig. Das waren bei der Gründung  einfach Könizer, die sich rückwärts schreiben. Die Mitglieder kommen heute aus der weiteren Umgebung, vorwiegend aus dem Westen von Bern. 

Wo zu sehen, wo zu hören?
Die Aaregusler und Zinökler treten 2022 wie folgt auf:
22. Januar, Fasnacht Münsingen
5. Februar, Fasnacht Schliern bei Köniz
26. Februar, Fasnacht Ittigen
und natürlich an der Heimfasnacht, an der «Bärnere» in Bern vom 3. bis 5. März.

Weitere Artikel in der Kategorie Bern West