«Die Konkurrenz ist gross, gewichtig und international»

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Paul Senn ist CEO von ender diagnostics. Fotos: zvg

Eines der führenden Diagnostik-Unternehmen ist in Bümpliz ansässig. Dort werden unter anderem PCR-Tests für den Nachweis einer COVID-19-Infektion entwickelt.

Das unscheinbare Gebäude in der Freiburgstrasse 251 beherbergt eines der hochtenisiertesten Unternehmen der Schweiz: 

ender diagnostics. Im Gespräch erzählt CEO Paul Senn, was genau seine Firma macht und warum sie in Bümpliz ansässig ist.

 

Der Name ender diagnostics klingt irgendwie Berndeutsch?

In der Tat. Unser Firmenname leitet sich vom berndeutschen «ender» ab – «dr ender isch dr gschwindr». Sie müssen wissen, im Kampf gegen eine Pandemie ist der Faktor Zeit entscheidend. Wie wir aus verschiedenen Fällen inzwischen wissen, kann eine einzige Person ganze Dörfer oder Schulen infizieren, wird diese nicht rechtzeitig durch ein sogenanntes Screening entdeckt und in Quarantäne geschickt. Damit dieses Screening rasch erfolgen kann, muss die Diagnostik zeitlich mithalten. Sprich: das Sammeln der Probe, die Lieferung in ein Labor, die Auswertung im Labor und dann wiederum das Zustellen der Resultate. Der ganze Prozess muss so schnell als möglich erfolgen. Und hier setzen wir eben an und sind oftmals die Schnellsten.

 

Was hebt Sie von der Konkurrenz ab?

Als Unternehmen bewegen wir uns wie bereits erwähnt in zwei Bereichen. Erstens als Hersteller von Tests, hier ist die Konkurrenz vielfältig wie beispielsweise die Roche, ThermoFischer oder Abbott. Besonders stolz sind wir natürlich auf unseren PCR-Test, welcher mit einer Speichelprobe funktioniert und als Erster in der Schweiz zum Einsatz kam. Auch hier sind wir eben «ender». Die Konkurrenz in diesem Geschäftsfeld ist also gross, gewichtig und international. Damit wir auch morgen relevante Produkte anbieten können, investieren wir entsprechend in unsere Forschungs- und Entwicklungsabteilung. Dann bieten wir unseren Kunden die gesamte Konzeption und Implementierung von Testlösungen an, inklusive Laborkapazitäten. Um Ihnen hier einen vergleichbaren Mitbewerber zu nennen, wird es schwierig, denn bisher haben wir keinen gefunden. Selbstverständlich gibt es Mitbewerber in einzelnen Feldern, aber nicht im Vergleich zu unserer Komplettlösung.

 

Wie herausfordernd war und ist die Corona-Krise für Ihr Unternehmen?

Nun, wir tragen Agilität nicht nur im Namen, sondern handeln auch entsprechend. Weil unser Unternehmen von Anfang an agil sein musste und wir uns immer wieder auf neue Situationen, lokal und international, einstellen mussten, liegt es quasi in unserer DNA. Wir zählen schon länger nicht mehr als Start-up, haben uns jedoch schlanke Hierarchien, eine Can-Do-Attitude und den Spirit «vorwärts zu machen» erhalten. Wie alle Unternehmen während Corona haben auch wir Herausforderungen im Bereich der Logistik zu meistern. Mit vielen schlauen Köpfen an Bord und dem Versuch, bereits für Übermorgen mitzudenken, stellen wir uns immer wieder neuen Herausforderungen und finden Lösungen.

 

ender diagnostics ist auf Tests spezialisiert. Momentan beschäftigt die Firma rund 100 Personen.

Schildern sie uns doch kurz, wie Ihr Unternehmen zustande gekommen ist und nennen uns ein paar Fakten.

Gegründet wurde ender diagnostics im April 2020 mit gerade acht Köpfen. Heute, knapp zwei Jahre später, zählen wir rund 100 Mitarbeitende und sind sowohl in der Schweiz wie auch international präsent und gefragt.

 

Warum haben Sie sich entschieden, Ihr Unternehmen in Bümpliz anzusiedeln?

Bereits vor ender diagnostics war das Gründerteam in der Diagnostik tätig. Und zwar mit unserer Schwestergesellschaft, der Livet AG. Diese ist auf Veterinärsdiagnostik spezialisiert und ist ebenfalls in Bümpliz beheimatet. Als junges Start-up war Bümpliz mit den verfügbaren Flächen und den moderaten Mietpreisen, trotz gutem Verkehrsanschluss, natürlich besonders interessant.

 

Wie passt der Bümplizer Lifestyle zu EnderDiagnostics?

Als Nordwestschweizer muss ich mich hier entschuldigen und eine gewisse Unwissenheit kundtun. Ich habe mir jedoch von Kolleginnen und Kollegen, welche hier in Bümpliz leben, sagen lassen, dass Bümpliz in den letzten Jahren eine starke Transformation erlebt hat. Ich denke, wir passen insofern zu dieser Gemeinde, dass auch wir uns ständig transformieren und niemals still stehen.

 

Sehen Sie die weitere Zukunft des Unternehmens in Bümpliz?

Wir versuchen viele Fragen zu beantworten (lacht). Doch in gewissen Themen müssen wir auch schauen, was auf uns zu kommt. Sicher ist, wir wachsen stark und werden auch künftig wachsen dürfen. Deshalb sind wir angewiesen auf gewisse Büro-, Labor- und Lagerflächen. Vielleicht erweitern wir einmal unseren aktuellen Standort, aber bleiben der Region Bern sicherlich treu.

Weiss die Bümplizer Bevölkerung, dass ein so wichtiges Unternehmen wie Ihres im Stadtteil VI ansässig ist?

Womöglich unbewusst, da unser Firmenstandort kaum signalisiert ist. Führen wir doch für den Kanton Bern und viele Unternehmen in der Region Tests durch und bieten unsere Testlösungen an. Wir wissen jedoch aus Kundenrückmeldungen, dass vielen Kunden durchaus bewusst ist, dass wir ein Berner Unternehmen sind. Hier ist unser Name natürlich auch die beste Werbung.

 

«Was ist Ender Diagnostics» 
Die ender diagnostics ag wurde im April 2020 gegründet. Das Gründerteam um ender diagnostics war bereits zuvor im Bereich der Diagnostik tätig. Zu Beginn der Corona-Pandemie stand dann die Frage im Raum, ob man wie viele andere in Kurzarbeit geht oder das vorhandene Know how nutzt, um aktiv gegen die Pandemie anzugehen. ender produziert einerseits eigene Testkits und setzt diese gleichzeitig in umfassenden Testlösungen ein. Zu den Kunden gehören einerseits die öffentliche Hand, aber auch kleine und grosse Unternehmen welche ihre Mitarbeitenden und ihre Geschäftsprozesse schützen möchten. Das Unternehmen beschäftigt momentan rund 100 MItarbeitende und besitzt mehrere Standorte in der Schweiz. Es ist international tätig.

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