«Die Reaktionen auf dieUmgestaltung waren heftig»

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Mit seinem neuen Amt zufrieden: Ralf Treuthardt. Foto: Dennis Rhiel

Ralf Treuthardt ist seit März 2021 die Frontfigur der Quartierkommission Bümpliz-Bethlehem. Im Gespräch erzählt er von seinem ersten Jahr und was 2022 ansteht.

Was hat die Menschen in den Quartieren des Stadtteils VI im vergangenen Jahr 2021 am meisten bewegt?
Ich denke, nebst der Pandemie und ihrer Auswirkungen hat sicher die angedrohte Schliessung des Friedhofs Bümpliz die Menschen in Bern West sehr bewegt. Auch die Aufwertung der Fussgängerzone in Bümpliz, die in Planung begriffenen Ersatzneubauprojekte in Bethlehem West, Meienegg und Untermatt Ost sowie die Schulhauserneuerungen in Bethlehemacker, Kleefeld oder Stöckacker bewegen die Menschen in Bern West.

Was war im vergangenen Jahr die grössere Herausforderung für die QBB und für Sie persönlich als neuer Präsident der Kommission?
Als neugewählter Präsident steht der Kommission eine neue Person mit anderen Schwertpunkten und Fähigkeiten vor. In einer für alle herausfordernden Situation galt es, die Arbeit in der Kommission neu zu strukturieren und aufzuteilen. Der Vorstand ist nun verstärkt in die Entscheidungsprozesse eingebunden. Die Kompetenzen der Mitglieder sollen besser zum Tragen kommen und die Qualität der Arbeit der Kommission verbessern. Ich habe mir vorgenommen, mich mindestens ein Jahr einzuarbeiten und dann erste Schritte für Veränderungen anzudenken.

Ein grosser Punkt im vergangenen Jahr waren die Arealentwicklungen inklusive Wohnraum und deren Entwicklungsplanungen. Wie ist da der aktuelle Stand?
Im letzten Jahr wurden uns die Ergebnisse der Architekturstudienwettbewerbe für Meienegg-Stöckacker Nord und Untermatt Ost (oder Weyer West) vorgestellt. Hier sollen die rechtlichen Grundlagen für die weiteren Schritte ausgearbeitet werden. 

Der Friedhof Bümpliz sollte eingespart werden, bleibt jetzt aber erhalten. Ein Verdienst, den sich auch die QBB aufgrund ihres Engagements auf die Fahnen schreiben kann?
Es ist sicher vermessen, diesen Erfolg allein der QBB zuzuschreiben. In dieser Frage haben sich in Bern West viele Menschen für den Erhalt des Friedhofs eingesetzt, die Einen lautstark und sichtbar, Andere in Gesprächen im Stillen. Es hat sich gezeigt, dass der Friedhof Bümpliz eine wichtige Bedeutung für die Bevölkerung in Bern West hat. Vielen Menschen haben einen eigenen Bezug zum Friedhof. Mit vereinten Kräften über politische und kirchliche Grenzen hinweg konnte der Stadtrat dazu bewegt werden, diesen Vorhaben aus den Sparmassnahmen der Stadt zu streichen. Dieser Erfolg freut mich sehr. Besten Dank nochmals an alle, die sich engagiert haben.

Welche wichtigen Projekte stehen in diesem Jahr auf dem Programm der QBB?
Der Gemeinderat der Stadt Bern plant im Jahr 2023 über die Fusion der Stadt mit der Gemeinde Ostermundigen abzustimmen. Diese sollte dann 2025 in Kraft treten. Hier stellt sich die Frage, wie die Quartiermitwirkung in Zukunft organisiert werden soll. Der Gemeinderat plant während vier Jahren für Ostermundigen parallel ein neues, anders strukturiertes Quartiermitwirkungsgremium zu installieren. Die Zukunft der Quartierkommissionen in den anderen sechs Stadtteilen wird so eher ungewiss. Wir werden zu diesem Thema verstärkt das Gespräch mit Gemeinderat und Verwaltung suchen. Gespannt sein dürfen wir sicher auch, wie es bei der geplanten BLS-Werkstätte Chliforst Nord weitergeht.

Seit rund acht Monaten bekleiden Sie das Amt des QBB-Präsidenten. Können Sie ein kleines Fazit ziehen? Machts noch Spass?
Der Wechsel wurde sehr positiv aufgenommen. Ich erhalte grosse Unterstützung durch den Vorstand und die Geschäftsführerin. Rachel Picard führt die Geschäftsstelle sehr professionell und leistet wichtige Vernetzungsarbeit im Quartier, nicht zuletzt auch mit den sozialräumlichen Playern, was der Bevölkerung von Bern West zu Gute kommt. Die QBB erhält so einen gesamtheitlichen Blick auf laufende Projekte und kann gezielt offene Fragen und wichtige Punkte ansprechen. Ich bin dabei, die wichtigsten Partner bei Verwaltung und Parlament kennenzulernen. Weiter ist es wichtig, für die Anliegen und manchmal auch die Eigenheiten von Bümpliz-Bethlehem zu sensibilisieren. Das Engagement für die QBB ist sehr spannend und lehrreich.
Sie haben bei Amts-Antritt gesagt, dass Sie die Anliegen der QBB niederschwelliger kommunizieren wollen, um alle Teile der Bevölkerung mit einzubeziehen. Hat das funktioniert?
Es handelt sich bei diesem Anliegen um einen längerfristigen Wunsch, der geplant werden muss. Zudem ist es mir sehr wichtig, dass Vorstand und Geschäftsstelle einen gemeinsamen Weg sehen und angehen möchten. Als ersten Schritt möchten wir die Kommunikation unserer Tätigkeiten über die lokalen Medien bewusst verstärken. Dies soll bereits in diesem Jahr umgesetzt werden.

Wie sieht es mit Meckerern aus – die können Sie ja nicht so leiden –, haben sich diese bei Ihnen schon gemeldet?
Nun, die Reaktionen auf die erfolgten Umgestaltungen bei der Fussgängerzone an der Bümplizstrasse waren teilweise recht heftig. Dies vor allem auch, weil die Stadt Bern in einer finanziellen Notlage und die Stimmung wegen der Corona-Krise zusätzlich angespannt ist. Ich bin gespannt, wie sich die Neugestaltung und geplante Belebung in den nächsten Monaten, wenn es wieder wärmer wird, auszahlt. 
Ich habe in den letzten Jahren manchmal erlebt, dass ein Eingriff in eine bestehende Umgebung teils sehr heftige Reaktionen auslösen kann. Meist zeigt sich aber im Blick auf mehrere Jahre oder Jahrzehnte, dass sich solche Massnahmen lohnen. Wenn ich dann gezielt nachfrage, ob mein Gegenüber beschreiben kann, wie es vor Ort vor dem Eingriff ausgeschaut hat, muss die Frage oft verneint werden. Ich deute dies als gutes Zeichen. Der Mensch ist anpassungsfähig. Über längere Sicht bleibt in den Köpfen meist das Positive hängen. 

Zur Person
Ralf Treuthardt (45) lebt seit 2007 in Bern West. Der gelernte Kartograph ist alleinstehend und ist beruflich bei der Reformierten Kirche Bümpliz tätig. Seit März 2021 tritt er in die Fussstapfen von Bernardo Albisetti als Präsident der QBB. Seine Hobbys sind weiterhin die Kartographie aber auch das Wandern und Velofahren. 

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