Kollektives Kopfschütteln der diskriminierten Berner

13 Minuten zu lesen
Hier sehen Sie, wo im Grossraum Bern welche Gratiszeitungen beheimatet sind. Die Pfeile führen zu ausgewählten Vertretern ebendieser Medien. Wichtig: Es gibt noch zahlreiche weitere Berner Gratiszeitungen, die in dieser Umfrage nicht vertreten sind. Grafik: IMS Marketing AG

Von den über 170 Millionen Franken des Medienpakets geht kein einziger Franken an die Gratiszeitungen. Dieses grobe politische Foul sorgt auch bei betroffenen Berner Medienprofis für Ärger und Unverständnis. 

Haben Sie gewusst, dass auch in der Hauptstadtregion betreffend die Auflagenzahl die Gratiszeitungen gemeinsam mit Abstand die stärksten Printmedien-Fraktion bilden? Trotz ihrer Bedeutung für die Meinungsbildung von fast 700 000 Bernerinnen und Bernern und der damit verbundenen Wichtigkeit für die direkte Demokratie sollen sie im Medien-Massnahmenpaket übergangen werden. Das geht aus unserer Sicht gar nicht. Wir von der BümplizWoche wollten deshalb wissen, ob der Unmut bei betroffenen Kolleginnen und Kollegen von anderen Berner Gratiszeitungen ebenso gross ist und haben sie um eine Stellungnahme zum Medien-Massnahmenpaket gebeten. Die angefragten Medienprofis sehen dies wenig überraschend fast ausnahmslos genauso wie wir und finden ebenfalls klare Worte.  Neun Statements haben wir auf dieser Doppelseite zusammengetragen. Dabei sind viele starke Argumente zusammengekommen. 

Gratiszeitungen massiv gefährdet
Wir fordern gleich lange Spiesse! Für die Verlage von abonnierten genauso wie für Verlage von kostenlos verteilten Zeitungen. Alles andere ist wettbewerbsverzerrend und gefährdet damit auch das Fortbestehen  der Gratiszeitungen massiv. Die nebenstehende Karte mit Berner Gratistiteln würde auf lange Sicht mit Sicherheit deutlich karger ausfallen. Dies wiederum wäre ein demokratisches Desaster. 

Diskriminiert würden damit nämlich indirekt auch jenen Bernerinnen und Berner, die sich keine Zeitungs-Abonnemente leisten können. Die reichen Mediengrosskonzerne aus Zürich und anderen Kantonen würde dies kaum kümmern. Über 70 Prozent der Medien-Millionen könnten sie direkt in ihre Taschen fliessen lassen. Dies obwohl sie und ihre Aktionäre das Geld nicht nötig haben; sogar im letzten Corona-Jahr erzielten sie sehr grosse Gewinne. 

Deshalb sagen wir am 13. Februar 2022 NEIN zum Medien-Massnahmenpaket und danken Ihnen für Ihre Unterstützung an der Urne sowie für Ihr grosses Vertrauen in die BümplizWoche und die zahlreichen weiteren Gratiszeitungen in und um die schönste Stadt der Welt.

Unfair, oder?

Am 13. Februar stimmen Sie, liebe Leserinnen und Leser der BümplizWoche, über das neue Mediengesetz ab. Ich möchte Ihnen kurz erläutern, was dieses Gesetz für Sie und mich bedeutet, nämlich eine Einbusse an lokalem Qualitätsjournalismus. Durch das Gesetz werden Zeitungen und Zeitschriften unterstützt, die ein Abonnementen-System haben. Wie Sie wissen, ist die BümplizWoche genau gleich wie der Bärnerbär eine Gratiszeitung. Das heisst also: Wird das Gesetz angenommen, bekommt auch die wichtigste Lokalzeitung im Berner Westen keine finanzielle Unterstützung vom Staat. Den grossen Zeitungen, für deren Abonnement Sie eh schon bezahlen, wird allerdings unter die Arme gegriffen. Unfair, oder? Genau. Kleine Verlage, die selbstständig ihre Kosten decken und mit viel Herzblut bestrebt sind, Ihnen das Beste aus dem Stadtteil VI zu bieten, werden abgestraft. Grosse profitieren. Lassen Sie uns gemeinsam für den Erhalt von gutem Lokaljournalismus kämpfen und legen Sie ein NEIN in die Urne zum neuen Mediengesetz.

Dennis Rhiel
Chefredaktor BümplizWoche
Auflage: 23 760 Exemplare

Bruno Grütter
Verleger Könizer Zeitung/Der Sensetaler 
und Gantrisch Zeitung
Auflage Könizer Zeitung/Der Sensetaler: 52 750 Exemplare
Auflage Gantrisch Zeitung: 29 000 Exemplare

Das Gegenteil von Medienvielfalt

Printmedien sind systemrelevant, so der Bundesrat im März 2020. Das Medienpaket will nun die lokalen Medien und die Medienvielfalt unterstützen, weil viele ums Überleben kämpfen respektive immer mehr Menschen realisieren, wie wichtig gut recherchierte Artikel sind. Aber beim genaueren Hinsehen schlucken zahlreiche kleine, unabhängige Verlage leer. So leer wie sie ausgehen. Unsere Titel wie die «Könizer Zeitung | Der Sensetaler» oder die «Gantrisch Zeitung» erhalten beispielsweise keinen Rappen. Die Grossen dafür reichlich und sogar Sonntagsmedien erhalten einen beachtlichen Zustupf. Was ist schiefgelaufen? Die Politik wertet: Wer abonniert ist, der profitiert, wer gratis erscheint, geht leer aus. Für uns nicht nachvollziehbar, weil journalistisch die Qualität des Blattes nicht davon abhängt. Diese Vorlage ist für uns genau das Gegenteil von Medienvielfalt.

Dominik Rothenbühler
Leiter Beilagen und 
Paid Content Bärnerbär
Auflage: 103 410 Exemplare

Gerechtfertigter Aufschrei

Stellen Sie sich vor, die Politik und das verantwortliche Bundesamt würden mit voller Absicht eine Mehrheit der kleinen und mittleren Schweizer Landwirtschaftsbetriebe von Subventionen ausschliessen und zugleich betonen, wie wichtig lokal und regional tätige Betriebe für die Schweizer Landwirtschaft doch seien. Ein Riesenaufschrei wäre garantiert! Zu Recht! Der Aufschrei ist betreffend das Medien-Massnahmenpaket genauso angebracht. Denn dieses sieht im Bereich der Presse vor, nur abonnierte Zeitungen unterstützen zu wollen. Besonders stossend: Über 70 Prozent der fast 180 Millionen Franken würden in die Kassen der grossen und reichen Verlagshäuser fliessen. Das ist unfair und wettbewerbsverzerrend. Und auch komplett unschweizerisch. Deshalb: bachab mit dem Medienpaket! 

Unverständlich

Es ist nicht allein die Corona-Krise, welche den «Kleinen der Medienlandschaft» finanziell bluten und teilweise ums Überleben kämpfen lässt. Dazu gehören etwa auch die Quartieranzeiger, welche über das berichten, was in den überregionalen Medien kaum mehr Beachtung findet – das Geschehen vor der Haustür. 
Auch im lokalen Bereich ändert sich die Mediennutzung rasant. Dies fordert die meist kleinen Verlage, welche die Lokalnachrichten herausgeben, zu investieren. Vor allem online sollte das Angebot optimiert und den künftigen Bedürfnissen angepasst werden. Doch dazu fehlen oft die nötigen Mittel. Umso unverständlicher deshalb, dass gerade diese lokalen Blätter auch bei einem JA zum neuen Mediengesetz in keinerlei Hinsicht profitieren können. Obwohl gerade sie, wie viele Umfragen belegen, einem echten Bedürfnis entsprechen. Aber wie so oft in der Politik: es wird Wasser gepredigt und Wein getrunken …

Claudio A. Engeloch
Verleger des Anzeigers für 
das Nordquartier
Auflage: 16 200 Exemplare

Thomas Herrmann
Verlagsleiter Wochen-Zeitung für das 
Emmental und Entlebuch, Vizepräsident VSRM
Auflage: 42 694 Exemplare

Willkürliche Diskriminierung

Am 13. Februar 2022 dürfen Sie an der Urne mitentscheiden, ob das neue Mediengesetz angenommen wird oder nicht. Dieses neue Gesetz ist ungerecht, weil damit nur abonnierte Zeitungen unterstützt werden. Das heisst, Gratiszeitungen wie der Bärnerbär und die Wochen-Zeitung erhalten vom Staat keine Unterstützung. Die Qualität, regionale Inhalte, die Leserzahl oder die Auflage spielen dabei keine Rolle. Eine derartige willkürliche Diskriminierung beliebter lokaler Medien schadet unserer Demokratie, denn kleine Verlage, die nahe bei den Leserinnen und Lesern sind, werden grundlos abgestraft. Das ganze Wochen-Zeitungs-Team und ich sind Ihnen genauso dankbar wie die Bärnerbär-Macherinnen und -Macher, wenn Sie am 13. Februar 2022 bei der Abstimmung zum Massnahmenpaket zugunsten der Medien ein NEIN in die Urne legen

Aus der Region für das Worblental

Seit mehr als 70 Jahren erreicht die Bantiger Post mit einer Auflage von 27 875 Exemplaren rund 50 000 Lesende im Worblental. Sie ist ein wichtiges Forum für die gesamte Bevölkerung, auch oder gerade für Menschen, welche sich kein Zeitungsabonnement leisten können. Lokale Redaktorinnen und Redaktoren bewegen sich im Einzugsgebiet. Dank ihrer Nähe zur Bevölkerung wird Kleinräumiges sichtbar gemacht. Gemeinden orientieren, Kirchgemeinden und Pfarreien kündigen Gottesdienste und Veranstaltungen an, Vereine machen ihre Anlässe bekannt, kulturelle Veranstaltungen werden angekündigt und besprochen. Daneben werben zahlreiche Firmen für ihre Produkte und Dienstleistungen. Eigentlich eine gelungene Mischung. Ausgefallene Inserate wegen der Pandemie sowie steigende Papier- und Produktionspreise erhöhen den Druck auf die beliebte Lokalzeitung, welche nicht zuletzt dank freiwilliger Beiträge der Bevölkerung und einem grosszügigen Besitzer (noch) überleben kann. Vom neuen Medien-Massnahmenpaket des Bundes erreicht leider kein Franken die Regionalzeitung für das Worblental.

Michael Seiler
Verlagsleiter Bantiger Post, die der Vetter Druck AG 
in Thun gehört
Auflage: 27 875 Exemplare

Markus Hofer
Verleger D’REGION Emmental
Auflage: 38 721 Exemplare

Die Zielsetzung wird verfehlt

Das neue Mediengesetz verfolgt die Absicht, insbesondere die lokale und regionale Berichterstattung zu fördern und dadurch die Medienvielfalt zu wahren. Diese hehre Zielsetzung wird mit der aktuellen Vorlage leider verfehlt. Kostenlos verteilte Regionalzeitungen, welche mit grossem Engagement über das Geschehen unmittelbar vor der Haustüre berichten, bleiben von jeglicher Unterstützung ausgeschlossen – nur abonnierte Titel profitieren. Diese Ungleichbehandlung führt zu einer Wettbewerbsverzerrung. Zahlreiche kleine Verlage, die ja eigentlich unterstützt werden sollten, müssen aufgrund dieser Ungerechtigkeit um ihre Existenz bangen.

Aus der Region für das Worblental

Seit mehr als 70 Jahren erreicht die Bantiger Post mit einer Auflage von 27 875 Exemplaren rund 50 000 Lesende im Worblental. Sie ist ein wichtiges Forum für die gesamte Bevölkerung, auch oder gerade für Menschen, welche sich kein Zeitungsabonnement leisten können. Lokale Redaktorinnen und Redaktoren bewegen sich im Einzugsgebiet. Dank ihrer Nähe zur Bevölkerung wird Kleinräumiges sichtbar gemacht. Gemeinden orientieren, Kirchgemeinden und Pfarreien kündigen Gottesdienste und Veranstaltungen an, Vereine machen ihre Anlässe bekannt, kulturelle Veranstaltungen werden angekündigt und besprochen. Daneben werben zahlreiche Firmen für ihre Produkte und Dienstleistungen. Eigentlich eine gelungene Mischung. Ausgefallene Inserate wegen der Pandemie sowie steigende Papier- und Produktionspreise erhöhen den Druck auf die beliebte Lokalzeitung, welche nicht zuletzt dank freiwilliger Beiträge der Bevölkerung und einem grosszügigen Besitzer (noch) überleben kann. Vom neuen Medien-Massnahmenpaket des Bundes erreicht leider kein Franken die Regionalzeitung für das Worblental.

Bruno Steffen
Verleger Mitteilungsblatt Zollikofen, 
Geschäftsführer & Partner 
Suter & Gerteis AG
Auflage: 6050 Exemplare

Peter Pflugshaupt
Chefredaktor Lokalnachrichten 
Muri-Gümligen und Allmendingen
Auflage: 7900 Exemplare

Gefährdete Finanzierbarkeit

Auch wir von den «Lokalnachrichten Muri-Gümligen und Allmendingen» profitieren nicht von der staatlichen Medienförderung. Unsere Wochenzeitung mit einer unabhängigen Redaktion, amtlichen Publikationen und Vereinsnachrichten informiert seit 1926 rund 14 000 Menschen in der Region. Ohne die Publikationen und Inserate der politischen Gemeinde, der Kirchgemeinde, des Gewerbes, Vereinen und Privaten sowie freiwilligen Beiträgen wäre die «LoNa» nicht finanzierbar.