«Für mich ist Musik machen eine Art Therapie»

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Rapper Nativ. Foto: zvg

Der Berner Rapper Nativ im Gespräch mit westwind6. Er erzählt, wie er seine ersten Lyrics verfasste und was bei ihm abgeht, wenn er Songs schreibt.

Wer bist du? 
Mein Künstlername ist Nativ. Eigentlich heisse ich Thierry. Ich bin 28 Jahre alt, bin Rapper und wohne in Bern. 

Wie warst du als 15-Jähriger?
Als 15-Jähriger bin ich vom Land in die Stadt gezogen. Ich war neugierig aufs Stadtleben, war rebellisch und wahrscheinlich inmitten einer ersten Selbstfindungsphase.

Was hat dich damals beschäftigt?
Am meisten wohl die Frage, wer ich eigentlich bin. Nach einer Kindheit in einem eher konservativen Dorf bin ich mit einem multikulturellen Leben und einer neuen, echteren Realität konfrontiert worden. Meine Mutter ist Schweizerin, mein Vater Westafrikaner und mir wurde mehr und mehr bewusst, dass ich zwei Kulturen in mir trage. Meine Identitätsfindung wurde Teil meiner Musik.

Wie entstand dein erster Rap-Text?
Ich war etwa zwölf Jahre alt, als ich Rap und Hip Hop entdeckte. Ich war fasziniert, habe versucht, selbst etwas zu schreiben. Am Anfang habe ich meine Idole kopiert, meine Texte hatten nicht viel mit meiner eigenen Realität zu tun. Je mehr ich aber schrieb, desto wichtiger wurde mir, dass ich Persönliches ausdrücke und meine Texte mein Selbst widerspiegeln.

Wem hast du deinen ersten fertigen Song das erste Mal gezeigt? Und wie hast du dich dabei gefühlt?
Meine ersten Songskizzen habe ich bei mir zu Hause aufgenommen und habe sie mit Freunden angehört. Diese haben mich unterstützt und immer bestärkt, dass ich gut bin in dem, was ich mache. Die erste offizielle Veröffentlichung geschah dann ziemlich intuitiv – es ging alles sehr schnell. Was ich dabei genau fühlte, weiss ich nicht mehr, denn ich war in dieser Zeit ziemlich rastlos.

Wie entwickelst du einen Song?
Es gibt keine Zauberformel. Für mich ist Musik machen eine Art Therapie. Jeder Song ein Zeitdokument und drückt aus, wie ich mich gerade fühle und was mich beschäftigt. Wenn ein guter Song entsteht, dann spürst du es.

Was macht einen guten Rap aus?
Authentizität.

Wie würdest du die Jugendlichen heute zum Rappen ermutigen?
Musik machen ist ein super Ausgleich zu allem. Als Jugendlicher gehts Schlag auf Schlag: Da ist die Lehre oder der Job und die Anforderungen werden grösser, da ist die erste grosse Liebe, mehr Verantwortung. Also mehr Stress. Musik war wie ein Ventil für all diese neuen Erfahrungen, der Rap hat mir sehr geholfen, mit all dem klarzukommen. 

Warum siehst du ein Potenzial bei den Jugendlichen von Bern West? 
In Bern West treffen unzählige verschiedene Kulturen aufeinander. Die Menschen sind gezwungen, sich mit anderen Realitäten auseinanderzusetzen, und sie haben auch die Chance, sich auf die verschiedenen Einflüsse einzulassen und sich inspirieren zu lassen. 

Worauf wird an diesem Contest geachtet? Wer soll sich anmelden? 
Echtheit. Alle, die sich trauen, aus ihrer Komfortzone herauszukommen. Alle, die gerne einen Einblick möchten, was es alles braucht, bis ein kompletter Song entsteht.

«Rap the West»-Contest bis am 31. Januar 2022!
Mache Deine eigenen Rap-Lyrics und schicke sie ein! Im Projekt «Rap the West» von westwind6 erhältst du die Chance, an einem Workshop mit Rapper Nativ und Rapperin La Nefera teilzunehmen. Alle 13- bis 18-jährigen Jugendlichen aus Bern West können teilnehmen: Rap-Lyrics bis am 31. Januar schreiben und per WhatsApp (078 722 87 36) oder E-Mail (info@westwind6.ch) an westwind6 schicken. 
Mehr Infos: westwind6.ch 

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