«Mein Hund findet Vermisste in jedem Gelände»

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Diese Aussage wagt unser Korrespondent Marc de Roche zu bezweifeln, denn es liegen fast 30 Zentimeter Neuschnee, als ihm Adrian Blaser einen Treffpunkt im tiefen Wald zwischen Heitere und Süri nennt, an dem Rettungshunde trainiert werden.  

Was geschieht dort? Teamleiterinnen beginnen erst einmal damit, weit herum Gegenstände hinter Bäumen, Gebüschen und Steinen zu verstecken. Dann legt Sandra Büchel ihrem Hund eine Schabracke – eine orangefarbene Kenndecke – um, die mit einer Glocke und einem Nachtlicht versehen ist. Capper, ein ungarischer Vorstehhund, weiss: «Das ist meine Arbeitskleidung, jetzt bin ich im Einsatz!» Das Kommando der Hundeführerin genügt, und er rennt gezielt in den Wald. Selbständig findet er rasch den ersten versteckten Gegenstand mit menschlicher Geruchsspur und kommt mit dem sogenannten «Bringsel» im Maul zurück zu Sandra, die ihn erst einmal lobt und ordentlich belohnt. Dann lässt sie sich zur Fundstelle führen. Aufgabe gelöst! Was auffällt: Der Hund lebt bei diesem Training einen natürlichen Trieb, zu suchen und zu apportieren. Man sieht ihm den Spass am Einsatz richtig an. «Capper lässt sich nicht ablenken. Er konzentriert sich voll auf die Suche», erklärt Sandra Büchel.

 

Es gibt auch speziell ausgebildete Leichensuchhunde, welche die Witterung von verstorbenen Menschen unter Trümmern orten. «Obschon es für alle schrecklich ist, wenn jemand nur noch tot geborgen werden kann, so bleibt wenigstens die Gewissheit, dass ein geliebter Mensch nicht irgendwo verschüttet liegen bleibt», sagt Tatiana Lentze, Hundeführerin von Gimli und Ärztin in  der Tierarztpraxis Bärn West. «Die Hunde müssen im Trümmerfeld selbstständig agieren und entscheiden. Hightech-Mittel helfen, können aber die gute Hundenase nicht ersetzen.» 

 

Adrian Blaser, Präsident der REDOG Regionalgruppe Bern, gibt gerne Auskunft über die Tätigkeit des Vereins.

Wie viele Hundeführerinnen und Hundeführer sind in dieser Sektion? Gibt es auch Mitglieder ohne Hund?
Die Berner Regionalgruppe ist mit 115 Mitgliedern die grösste der insgesamt zwölf Regionalgruppen. Im Moment haben wir zwanzig einsatzfähige Hunde. Etwa die Hälfte der Mitglieder trainiert regelmässig mit einem Hund, die anderen sind ehemalige Hundeführer und Hundeführerinnen, die mit dem Training aufgehört haben, aber der Regionalgruppe treu geblieben sind. 

Seit wann bist du mit deinem Hund bei REDOG?
Ich habe 2013 mit Chester, meinem ersten Hund, das Training aufgenommen. Er wurde 2015 als Geländesuchhund einsatzfähig und war bis 2020 aktiv. Jetzt ist er pensioniert und ich bin dabei, einen Nachfolgehund auszubilden.

Wie lange geht es, bis der Hund für Ernstfälle eingesetzt werden kann?
Die Ausbildung dauert in der Regel zwei bis vier Jahre. Dabei wird nicht nur der Hund ausgebildet, auch die Hundeführerin und der Hundeführer werden geschult. Im Mittelpunkt stehen da die Erste Hilfe, der Umgang mit Karte, Kompass und GPS-Gerät sowie Grundlagen der Alpintechnik zur eigenen Sicherung im steilen Gelände.

Kommt es vor, dass ein Hund die Suche verweigert?
Ein einsatzfähiger Hund macht seine Sucharbeit so gern, dass er die Arbeit nie verweigert. 

Welches war dein eindrücklichster Einsatz?
Bei meinem ersten Einsatz suchten wir im Wallis einen 13-jährigen Knaben, der von der Schule nicht nach Hause gekommen war. Dank eines Mantrailing-Hundes der Polizei hatten wir den Hinweis, dass er in einem bestimmten Waldgelände sein könnte. Wir haben den Wald am darauffolgenden Tag mit sechs Hundeteams abgesucht und den Buben schlafend, aber wohlbehalten aufgefunden.  

REDOG blickt mittlerweile auf eine 50-jährige Geschichte zurück. Am 30. April ist auf dem Bundesplatz Bern ein Anlass geplant. Was können wir dort sehen?
Ab 15 Uhr können Sie die Arbeit der REDOG Suchhunde in der Vermissten- und  der Verschüttetensuche direkt vor der Kulisse des Bundeshauses sehen. Mitglieder des Komitees, unter dessen Patronat das 50-Jahr-Jubiläum steht, werden kurze Ansprachen halten. Barbara Schmid-Federer, die Vizepräsidentin des Schweizerischen Roten Kreuzes, und Manuel Bessler, Delegierter für Humanitäre Hilfe und Chef SKH, werden vor Ort sein. Als heimische Regionalgruppe sind wir da speziell gefordert und werden die Arbeit der Verschütteten- und Geländesuchhunde dem Publikum vorführen.

Marc de Roche 

Der Hund erlernt das Suchen spielerisch. Bis ein Hundeteam einsatzfähig ist, dauert es je nach Vorkenntnissen, Trainingsintensität und Talent (sowohl des Hundes wie auch der Hundeführer:innen) und je nach Disziplin zwischen zweieinhalb und vier Jahren. In der Technischen Ortung dauert die Ausbildung von einem Jahr (in der Vermisstensuche) bis drei Jahre (Verschüttetensuche).

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