Djakuju!

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Ostersamstag in Bümpliz. Ein wunderschöner Tag, viele Leute geniessen die Natur. Dort – ausgerechnet beim Asylweg – sehe ich einige Frauen mit Kindern zusammensitzen. Sie bemalen Ostereier. Wobei … bemalen ist der falsche Ausdruck. Sie verzieren die Eier auf eine Art, wie ich es noch nie gesehen habe. Weil eine Gwundernase, nähere ich mich. Ich höre eine Sprache, die erahnen lässt, woher die Frauen kommen.

Mit Englisch kommt man(n) bekanntlich weiter. Das klappt auch. Ich lasse mir die Kunst der Frauen erklären, derweil ihre Kinder miteinander spielen. Die kunstvoll verzierten Eier heissen Pysanky. In der Ukraine ist man davon überzeugt – so eine Überlieferung aus dem Mittelalter –, dass das Schicksal der Welt mit ihnen zusammenhängt. Je verzierter, desto friedvoller. Die Eier haben ihren Namen von «pysaty», von «schreiben». Der Grund: Die Eier werden mit Wachs verziert und anschliessend beschriftet. Pysanky ist übrigens der Überbegriff dieser Kunst, es gibt verschiedene Arten davon.

Diese Tradition verbindet die Frauen, ab und zu ist sogar ein leises Lachen zu hören, wenn sie sich an gewisse Momente in ihrer Heimat erinnern, wie mir Kira erklärt. Selbstverständlich reden wir auch über die aktuelle Lage in Ukraine. Kein Lächeln ist jetzt zu sehen, keine Freude zu spüren.

Ich erkläre mich, stelle in Aussicht, dass unsere Begegnung Gegenstand meiner nächsten Kolumne in der BümplizWoche sein wird. Die Ukrainerinnen bitten mich eindringlich, der hiesigen Bevölkerung für ihre Gastfreundschaft mit «Djakuju!» zu danken. Sie alle sind damit gemeint, liebe Leserinnen und Leser, wo Sie auch immer wohnen mögen. Und es ist sicher auch in Ihrem Sinn, wenn ich den Frauen hier «Shyro vitaemo u Bümpliz!» schreibe. Das bedeutet «Herzlich willkommen in Bümpliz!»

Der Autor
Thomas Bornhauser lebt in Wohlen und schreibt jedes Jahr einen Kriminalroman. Mit der gleichen Leidenschaft hat er auch mehrere Chäsereien-Führer geschrieben.bosaugenblicke.ch

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