Liebs Weyerli, weisch no!

2 Minuten zu lesen

Nun kann die Öffentlichkeit also wieder vom Weyerli profitieren. Und viel ist darüber geschrieben worden, dass es seinen Charakter kaum verändert hat. Wenn ich das lese, dann scheint es mir, dass die vergleichsweise jungen Schreiberlinge jenes Weyerli meinen, so wie es sich zu Beginn dieses Jahrhunderts präsentierte. Einverstanden.

Was ist aber mit den Alt-68ern, zu denen ich mich zähle? Damals –  wir Oldies lieben es ja, über frühere Zeiten zu philosophieren –  war das Weyerli völlig anders. Na ja, sagen wir, ziemlich anders, zum Beispiel ohne Viadukt. Schauen Sie sich dazu die «Antenne» vom Fernsehen DRS vom 12. Juli 1974 an, als entschieden wurde, dass ein Viadukt über das Gebiet besser als eine Untertunnelung sei.

Also, wir Weyerli-Teenager aus der Länggyge kamen praktisch ausnahmslos mit dem Velo ins Weyerli, via Bremgartenwald, entsprechend überfüllt waren die Abstellflächen, «Gopf, wo isch itz mi Göppu?». Unmittelbar nach dem Eingang befanden sich zwei oder drei Tischtennistische, links daneben das, wie man heute sagen würde, «Take-away», wo man eine Scheibe Brot mit Senf oder Mayonnaise bestrichen, für 20 Rappen kaufen konnte.

Wir Jugendlichen hatten unsere eigenen Zonen, meistens nach Quartier aufgeteilt. Wir Länggässler auf dem Hügeli hinter den Sprungbrettern. Aussenstehende unerwünscht. Und manch eine(r) bekam im Weyerli wohl den ersten Kuss (na ja, sagen wir das erste Müntschi) unter dem Inseli, sich an die Stützsäulen klammernd, von den Mitschülern unbeachtet.

Jede Wette: Gewisse Erlebnisse aus den 60ern werden sich in den 20ern wiederholen. Und das ist gut so.

Der Autor
Thomas Bornhauser lebt in Wohlen und schreibt jedes Jahr einen Kriminalroman. Mit der gleichen Leidenschaft hat er auch mehrere Chäsereien-Führer geschrieben.bosaugenblicke.ch

Weitere Artikel in der Kategorie Kolumnen

Von Irrungen und Verwirrungen

In meiner vorletzten Kurzgeschichte habe ich davon geschrieben, wie sehr die Künstliche Intelligenz unser Leben verkompliziert.…