Liebs Outo!

2 Minuten zu lesen

Ich gebe es zu: Mein erstes Auto war ein Lancia Sport, eine Occasion, ein wunderschönes Coupé. Meine Beauty hatte bloss einen Fehler: Sie war zickig, hat mich ein Vermögen gekostet. Geendet hat die liebe Appia dann ausgerechnet in der Stadt der Liebe, in Paris, wo sie endgültig auseinanderfiel und wir uns somit trennen mussten. Ich erwähne diesen Umstand nur, damit Sie sehen, dass ich durchaus ein Verständnis für schöne Fahrzeuge habe. Mein Traumauto heute: ein Aston Martin DBS. Aber äbe.

Nur finde ich, dass man(n) es mit seiner Liebe zum Auto übertreiben kann. Masslos. Da gibt es jemanden, der sein Auto vor zwei Jahren gegen einen kleinen, aber feinen Sportwagen eingetauscht hat. Der Mann wohnt in unserem Lesegebiet, ich erwähne absichtlich nicht wo, er stellt seine Karre in eine 08/15-Reihengarage entlang der Strasse. Kein Witz: Mindestens jedes zweite Mal, wenn ich dort vorbeifahre, steht der Flitzer leicht schräg vor der Garage, damit alle Vorbeifahrenden das Auto sehen und bewundern können. Boah! Der Besitzer selber poliert und putzt am Lack oder den Felgen, aber derart auffällig, dass zu vermuten ist, dass seine ganze Liebe ausschliesslich dem Auto gehört. Und das will nonverbal kommuniziert werden. Offenbar. Mir ist nicht bekannt, ob der Mann eine wirkliche Partnerin hat (eine Frau beim Auto habe ich nie gesehen, einzig ihn, solo). Und wenn ja, zu beneiden wäre sie nicht. Finde ich.

Der Autor
Thomas Bornhauser lebt in Wohlen und schreibt jedes Jahr einen Kriminalroman. Mit der gleichen Leidenschaft hat er auch mehrere Chäsereien-Führer geschrieben.bosaugenblicke.ch

Weitere Artikel in der Kategorie Kolumnen