Jubiläum der Quartierkommission

8 Minuten zu lesen
Am Bahnhöheweg ist ein grosser Teil der Lärmschutzwand unbegrünt. Richtung Bahnhof Bümpliz Süd hingegen wurde ein Teil durch Anwohnerinnen und Anwohner begrünt. Derartige Aktionen wirken sich positiv auf das Stadtklima aus. Foto: Agnes Nienhaus

Am 12. September 2022 fand im reformierten Kirchgemeindesaal Bümpliz die 400. Sitzung der Quartierkommission Bümpliz-Bethlehem QBB statt. Engagierte Mitglieder der Quartierkommission aus der Gründungszeit waren an den Anlass eingeladen und stiessen mit den aktuellen Delegierten auf dieses aussergewöhnliche Jubiläum an.

40 Jahre Engagement für den Stadtteil VI
Im Juni 1982 gründeten Vertreterinnen und Vertreter von Quartierorganisationen aus dem Stadtteil VI die «Arbeitsgruppe Verkehr Bümpliz/Bethlehem». In diesem Rahmen fanden auch Diskussionen über eine breite Zusammenarbeit unter den verschiedenen Organisationen statt, um die Belange des vielfältigen Quartiers im Westen in Bern gemeinsam zu erörtern. Damit keine Gruppierung befürchten musste, von anderen Gruppen in die Minderheit versetzt zu werden, einigten sich die Gründerinnen und Gründer auf einen Minderheitenschutz und hielten dies in einem Reglement fest. Der Schlüssel der Zusammenarbeit lag in der gleichberechtigt behandelten Mehrheits-, bzw. Minderheitsmeinung. Am 9. Februar 1987 nahm die Quartierkommission Bümpliz-Bethlehem ihre Tätigkeit auf. Im selben Jahr anerkannte der Gemeinderat der Stadt Bern die QBB als «repräsentative Partizipationsgruppe» für den Stadtteil VI. Nach der Regelung der finanziellen Leistungen mit der Stadt konnte die QBB auch ein ständiges Sekretariat einrichten.

Eine wichtige Grundlage für die Quartiermitwirkung wurde 1998 geschaffen, als die Stadtberner Bevölkerung in einer Volksabstimmung der neuen Gemeindeordnung zustimmte. Darin wurde erstmals die Mitwirkung der Bevölkerung gesetzlich festgehalten: «In Belangen, die ein Quartier besonders betreffen, kann die dortige Bevölkerung an der Entscheidfindung mitwirken.» 2004 wurde ausserdem vom Volk das «Reglement über die politischen Rechte» angenommen, mit dem sich die Stadt eine definitive Grundlage für die Quartiermitwirkung schuf. In 40 Jahren und in 400 Sitzungen entstand so im Stadtteil VI eine offene Kultur der Diskussion und Zusammenarbeit, in der alle Quartierorganisationen und Parteien konstruktiv mitwirken. Grundlage dafür war und ist das grosse Engagement von Bewohnerinnen und Bewohnern des Stadtteils, die sich als Delegierte in Fragen der Quartierentwicklung und des Zusammenlebens im Quartier einbringen.

Zur Quartierkommission Bümpliz-Bethlehem QBB
Die Quartierkommissionen der Stadt Bern sind die offiziellen Organe, über welche die Quartierbevölkerung die Möglichkeit erhält, in Belangen des Quartiers und der Quartierentwicklung mitzuwirken. Die Quartierkommission Bümpliz-Bethlehem QBB übernimmt diese Funktion für den Stadtteil VI Bümpliz-Bethlehem-Bottigen-Riedbach. Die QBB erarbeitet Stellungnahmen und Positionen zu Fragen der Quartierentwicklung und informiert über Vorhaben der Behörden und Dritten. Die dazu notwendigen Diskussionen finden im Rahmen des monatlich stattfindenden und öffentlichen QBB-Forums statt (siehe qbb.ch).

Massnahmen zur Verbesserung des Stadtklimas
Neben der Feier dieses erfreulichen Jubiläums hat die QBB in der Septembersitzung das Thema des Stadtklimas behandelt. Corina Gwerder und Sabine Mannes, Expertinnen der Fachstelle Klimaanpassungen der Stadt Bern, erläuterten in einer spannenden Präsentation, wie sich die Klimaerwärmung auf die Stadt auswirkt und welche Massnahmen die Stadt Bern dazu ergreift.

Die Folgen der Klimaerwärmung wurde in diesem Sommer für alle offensichtlich: Die Sommer werden heisser und trockener, es kommt zu mehr Hitzetagen und Tropennächten. Ausserdem verteilt sich der Niederschlag über kürzere Perioden, das heisst es gibt mehr Starkniederschläge und häufig schneearme Winter. In der Stadt zeigen sich diese Auswirkungen der Klimaerwärmung zum Beispiel in der Entstehung von städtischen Wärmeinseln. Allgemein fördert die dichte städtische Bebauung beziehungsweise viel verbautes Material die Speicherung der sommerlichen Hitze. Die so gespeicherte Wärme wird nur sehr langsam abgegeben, so dass auch die Nächte im Vergleich zu ländlichen Gebieten weniger abkühlen und zusätzliche Tropennächte resultieren. Ausserdem können die versiegelten Flächen die Starkniederschläge weniger aufnehmen, was zu einer überforderten Kanalisation führen kann.

Was tut die Stadt Bern, um diesen Entwicklungen entgegenzuwirken? Zusammen mit der Universität Bern hat die Stadt ein Messsystem für die ganze Stadt aufgebaut welches laufend erweitert wird. So können Wärmeinseln in der Stadt identifiziert und gezielte Massnahmen geplant werden. Aktuell befinden sich im Stadtteil VI acht Messstationen, unter anderem beim Bachmätteli, im Stöckacker, beim Shoppingcenter Westside oder im Industriegebiet Weyermannshaus. Die Ergebnisse der Messungen sind im Internet zu finden (siehe Kasten).

Stadtklima in Bümpliz und Bethlehem
Alle Ergebnisse der Messungen zum Stadtklima sind zu finden auf der Website der Stadt Bern unter map.bern.ch/stadtplan > Umwelt, Energie, Abfall > Stadtklima

Das Thema Stadtklima wird auch in der Planung der Quartiere mitberücksichtigt. So ist es beispielsweise wichtig, dass zwischen den Gebäuden die Luft frei strömen kann, denn nur so kann die Hitze vom Wind weggeblasen werden. Weitere Massnahmen umfassen die Entsiegelung des öffentlichen Raums und ein neuer Umgang mit Regenwasser: Ziel ist es dabei, möglichst viel Wasser im Boden versickern zu lassen und im Boden zu speichern. So wird die Kanalisation bei Starkniederschlägen weniger belastet. Gleichzeitig steht das gespeicherte Wasser den Pflanzen in Trockenperioden zur Verfügung. Die städtischen Expertinnen haben den QBB-Delegierten dazu das Konzept der «Schwammstadt» vorgestellt. Dieses soll ermöglichen, dass die Niederschläge im Boden besser gespeichert werden und Bäumen und Grünflächen im öffentlichen Raum genügend Feuchtigkeit erhalten.

Die beste Wirkung auf das Stadtklima haben aber letztlich die Bäume im Stadtgebiet. Für die erschwerten Lebensbedingungen in der Stadt sind jedoch nicht alle Baumarten gleich gewappnet: So sind zum Beispiel die Rosskastanien in der Stadt Bern in einem schlechten Zustand, denn sie ertragen Hitze und Trockenheit schlecht und sind bei einer trockenbedingten Schwächung anfälliger für Schädlinge. Die Stadt prüft mittels Testpflanzungen, welche Stadtbäume die vermehrten Trockenperioden am besten ertragen. Neue Bäume müssen in den ersten drei Jahren nach der Pflanzung intensiv gewässert werden, damit sie überleben. Man sieht dies überall in der Stadt an den Bewässerungssäcken, die neu gepflanzte Bäume umgeben. Bis neugepflanzte Bäume ihre Wirkung optimal entfalten, dauert es allerdings 20 bis 30 Jahre. Dazu kommt, dass die Lebenserwartung von Bäumen in der Stadt reduziert ist und meist nur 50 bis 60 Jahre beträgt. Dies zeigt, dass für die Verbesserung des Stadtklimas stetige Anstrengungen und viel Geduld notwendig sind.

Vorschau auf die nächste QBB-Sitzung
Am 24. Oktober 2022 findet das nächste QBB-Forum statt. Zur Diskussion steht unter anderem die Arealentwicklung Mädergut in Bümpliz.

Agnes Nienhaus

Weitere Artikel in der Kategorie Bern West

Weihnachtspost aus Bethlehem

Es ist wieder soweit: die Weihnachtsfiliale in Bethlehem öffnet ihre Tore. Dort stempeln Postangestellte die Weihnachtspost…