Der Wohleiberg stellt sogar Hamburg in den Schatten

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Die Schwierigkeit der «Spinne» ist das ungewohnte Hindernis, was für Reiter und Pferd Mut zur Überwindung verlangt. Foto: zvg

Seit gut 20 Jahren führt der Kavallerie- und Reitverein Bümpliz im Oktober das Wohleiberg-Derby durch. Ein ebenso vielbeachteter wie beliebter Anlass, zu dem Reiterinnen und Reiter aus nah und fern anreisen.

Das Wohleiberg-Derby ist nicht mit anderen Concours zu vergleichen, sondern aufgrund der Hanglage und den Geländehindernissen (Talue, Pulvermanns Grab, Graben, Wegübergang, Baumstamm, Hecken) und Stangenhindernissen einzigartig und für die Teilnehmenden besonders anspruchsvoll.

Als international bekanntester Anlass im Reitsport gilt neben Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften das Deutsche Spring- und Dressurderby in Hamburg Klein Flottbek. Dieses Ereignis, das seit mehr als 100 Jahren eine magische Anziehungskraft bei Pferdesportfreunden besitzt, stellt auch ein herausragendes gesellschaftliches Ereignis von weltweiter Bekanntheit dar. In einem Punkt stehen die Hamburger halt doch im Schatten der Bümplizer. Doris Baumann, aktive Reiterin mit ihrer Stute Quarana, Vereins- und OK-Präsidentin, klärt uns mit einem Schmunzeln auf: «Bei uns gilt es, das früher weitherum bekannte Hindernis, genannt ‹Spinne›, zu überspringen. Diese Hürde, die sich sonst bei keinem Anlass findet, nicht einmal in Hamburg, ist bei uns dank Fritz Gäumann, Vereinsmitglied und ehemaliger aktiver Reiter, stets eines der Hindernisse. Er hat es wieder eingeführt.» Doris Baumann weiss genau, wie dieses einzigartige und ungewohnte Hindernis zu überwinden ist. «Der beste Weg ist, auf den Körper der Spinne und nicht auf deren Beine zuzureiten.»

Vier verschiedene Prüfungen
Am Samstag stehen auf dem Wohleiberg, wo gegen 100 Reiterinnen und Reiter erwartet werden, vier verschiedene Prüfungen auf dem Programm, jeweils nach Wertung A. Den Anfang machen die «Brevetierten» und erfahrenen Reiter mit jungen Pferden. Beim sogenannten Green Jump gilt es für die Teilnehmenden, die Hindernisse fehlerfrei zu überspringen und eine Idealzeit zu erreichen. Reiter und Pferd sollen den Parcours nicht schnell oder äusserst vorsichtig absolvieren, sondern in einer Zeit, die möglichst nahe an der vorgegebenen Richtzeit liegt.

Anschliessend ist Derby-Time. 19 Hindernisse auf einer Höhe von 90 Zentimetern gilt es zu absolvieren, am Nachmittag werden dann die Stangen höhergelegt, zuerst auf 100 Zentimeter und im zweiten Parcours auf 110 Zentimeter, wobei statt 19 jetzt 24 Hindernisse möglichst fehlerfrei zu überspringen sind. Anschliessend werden die vier Siegerinnen oder Sieger geehrt.

Offen, bis auch der Letzte müde geworden ist
Von den Frauenkappelern ist bekannt, dass sie Routiniers im Festen sind. Klar, dass sich auch der Kavallerieverein nicht lumpen lassen will. Das Mittelländische Schwingfest 2023 findet im Mai im Dorf statt, auch der Mittelländische Musiktag und das Turnfest gingen in den letzten Jahren hier über die Bühne. Wie in jedem Jahr hat sich auch diesmal das Organisationskomitee für die stets zahlreich erscheinenden Zuschauerinnen und Zuschauer einiges einfallen lassen. «Tagsüber können sich die Besucher mit Bratwürsten, Pommes frites und anderen Köstlichkeiten verpflegen und auch der Durst kann gestillt werden», sagt OK-Präsidentin Doris Baumann.

Nach Abschluss der Wettbewerbe geht es neben dem Reitplatz dann erst richtig los. Raclette à discrétion steht auf der Speisekarte und offen ist auch eine stets viel und gern besuchte Bar, die so lange geöffnet hat, bis auch der Letzte müde geworden ist. Nicht selten ist dann schon der nächste Tag angebrochen.

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