Fester Händedruck und mehr Selbstvertrauen

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Lincoln Fernandes im Convenience-Rayon am Scannen mit dem «Chäschtli». Foto: Thomas Bornhauser

BümplizWoche-Korrespondent Thomas Bornhauser hat den Migros-Lehrling erneut bei seiner Arbeit besucht. Was ihm auffällt: Bei Lincoln hat sich viel verändert.

Zur Erinnerung: Dank und nach einer Reportage in der BümplizWoche hat Lincoln Fernandes einen Ausbildungsplatz im Detailhandel gefunden. Seither begleiten wir den jungen Mann, der in der Migros Bethlehem ausgebildet wird. Nach einer erfolgreich beendeten Integrationsvorlehre hat er vor Kurzem die zweijährige Ausbildung zum Detailhandelsassistenten in Angriff genommen.

Das Erste, was mir bei der Begrüssung auffällt: Sein Händedruck ist spürbar stärker als noch vor einem halben Jahr. Zuerst unterhalten wir uns über seine drei Wochen Ferien, die er vergangenen Sommer bei Verwandten in Goa/Indien verbracht hat. Das sich im Bau befindliche Haus seines Onkels soll Ende Februar 2023 fertiggestellt sein. Lincoln ist selber gespannt, wie es zum Schluss aussehen wird – eventuell fliegt er im nächsten Sommer wieder hin.

Alles ist anders
Ich will wissen, was sich im Vergleich zur Integrationsvorlehre für Lincoln sowie seine Mitschülerinnen und Mitschüler, aber auch für das Lehrpersonal verändert hat. «So ziemlich alles», schmunzelt der 18-Jährige, «denn wir sind nach der Bildungsreform erstmals mit der Ausbildung ‹Verkauf 22Plus› gestartet.»

Und das heisst: Alles ist anders, auch für Susanne Lüthi, Leiterin des Migros-Markts in Bethlehem. Nicht bloss, dass vieles digital abläuft, auch beim Ausbildungsprogramm HKGA greifen die Räder von früher isoliert gelernten Fächern ineinander, um die allgemeine Kernkompetenz der Lernenden zu stärken. Und bevor Sie, liebe Lesende, sich jetzt fragen, was sich denn hinter der Abkürzung HKGA versteckt: Der Schreibende hat sich bei der Berufsfachschule für den Detailhandel bsd in Bern erkundigt. Fazit: Der Platz dieser Reportage würde für ein verständliches Ausdeutschen nicht ausreichen. Wie auch immer: Der neue Lernplan scheint sinnvoll zu sein. Und im Gegensatz zur Vorlehre muss Lincoln nur noch einen Tag pro Woche zur Schule, nicht mehr zwei.

«Chäschtli» oder Scanner?
Womit beschäftigt sich Lincoln heute beim orangen M? «Er bewirtschaftet einzelne Rayons, zum Beispiel die Molkerei oder das Convenience-Angebot», sagt Susanne Lüthi. Will heissen: Lincoln ist dafür verantwortlich, dass die Produkte immer frisch in den Gestellen stehen. Nähert sich also ein noch nicht verkauftes Sandwich seinem Verkaufs-Verfalldatum, so stellt Lincoln sicher, dass dieses Brötli vom normalen Gestell im Aktionsbereich mit 33 Prozent Rabatt landet, damit es nicht zum Foodwaste verkommt. Hilfe bei dieser Arbeit leistet ein Scanner, den die Mitarbeitenden als «Chäschtli» bezeichnen.

Mit der Ausbildung zum Detailhandelsassistenten musste auch ein neuer Lehrvertrag aufgesetzt werden. Und dieser besagt, dass Lincoln zu Beginn eine Probezeit absolvieren muss. Davor hat er aber keine Angst. Die Arbeit macht ihm Spass, das merkt man. Susanne Lüthi kann das nur bestätigen, zudem sei spürbar, dass Lincoln in den letzten Monaten enorm an Selbstvertrauen zugelegt hat (der Händedruck lässt grüssen). «Lincoln ist pünktlich, zuverlässig, zuvorkommend und extrem wissbegierig. Er ist eine echte Bereicherung im Team. Wir alle mögen ihn sehr, sein Umgang und seine Lernbereitschaft werden uns und ihm noch viel Freude bereiten.»

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