Überbauungsideen für das Zentrum Bethlehem

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Ein Modell des möglichen Bethlehemer Zentrums. Grafik: zvg

Auf dem Areal des Zentrums Bethlehem soll eine dichte Überbauung mit einer durchmischten Nutzung für Wohnen, Arbeiten und Einkaufen sowie mit viel Freiraum entstehen. Dies ist das Ergebnis eines Studienauftragverfahrens nach SIA 143, welches die Projektträgerschaft durchgeführt hat.

Wie die künftige Überbauung an der Riedbachstrasse 8, 9, 10 und 12 aussehen könnte, wird konkreter: Fünf Architektur- und Planungsteams waren beauftragt, für die Entwicklung des Zentrums Bethlehem realisierbare Umsetzungsvorschläge zu erarbeiten. Das Studienauftragverfahren nach SIA 143 durchgeführt hatten die beiden Grundeigentümerschaften Genossenschaft Migros Aare (GMAA) und Fonds für Boden- und Wohnbaupolitik der Stadt Bern (Fonds) sowie die Baurechtsnehmenden Band-Genossenschaft und Baugenossenschaft Brünnen-Eichholz.

Siegerprojekt: Kompakte Bauvolumen, grosszügige Freiflächen
Die fünf beauftragten Teams haben sich in den vergangenen Monaten intensiv damit befasst, wie die bereits bestehende hohe Nutzungsvielfalt des Zentrums Bethlehem in Zukunft bewahrt und weiter gestärkt werden kann. Die Projektträgerschaft beabsichtigt eine Entwicklung, die mehrheitlich preisgünstige Wohnungen mit verschiedenen Einkaufs- und Gewerbeflächen und attraktiven Aussen- und Grünflächen von hoher Aufenthaltsqualität kombiniert (vgl. Info-Box).

Das Siegerprojekt «Wohnen und Arbeiten für Alle» um das Team des Berner Architekten Rolf Mühlethaler erfüllt diese Vorgaben in den Augen des Beurteilungsgremiums am überzeugendsten: Es sieht vier freistehende, kompakte Gebäude vor, die sowohl flexible Wohnformen als auch eine Durchmischung von Gewerbe und Einkaufen – zum Angebot zählt auch künftig ein Einkaufszentrum der Migros Aare – gewährleisten. Die vier rechteckigen Wohn- und Gewerbebauten mit reduziertem Fussabdruck stehen versetzt zueinander und schaffen so viel Freiraum und Durchlässigkeit, was die Vernetzung mit der Nachbarschaft fördert. Die mehrheitlich unversiegelten Freiflächen ermöglichen zugleich eine biodiverse Vegetation, die dem Stadtklima Rechnung trägt.

Verkehrlich ist eine gute Durchwegung des Areals und eine Entflechtung der Verkehrsmittel vorgesehen. Geplant ist eine unterirdische Einstellhalle, zu der im Norden (beim Holenackerplatz) eine Einfahrtsrampe lediglich für die Anlieferung führt, und die im Süden mit einer Ein- und Ausfahrtsrampe für Personenwagen und Ausfahrtsrampe für Lastwagen erschlossen ist. Die Veloabstellplätze sind dezentral vorwiegend oberirdisch angeordnet. Im Quervergleich der Wettbewerbseingaben weist das Siegerprojekt zudem die beste Ökobilanz und Energiekennzahl auf, was sich positiv auf die Betriebsenergie auswirkt.

Dem Beurteilungsgremium imponierte der «eigenständige städtebauliche Ansatz von grosser Klarheit». Dieser überzeuge unter anderem auf der Ebene der Quartierzusammengehörigkeit als auch der durchgehenden Freiräume. Zudem versprächen die Wohnungsgrundrisse «eine gute soziale und ökonomische Durchmischung und grosse Flexibilität in der Nutzung». Das Beurteilungsgremium schlägt das Siegerprojekt einstimmig zur Weiterbearbeitung vor.

Wie geht es weiter?
Bei der Erarbeitung des Programms für das Studienauftragverfahren hatten Vertreterinnen und Vertreter von Quartierorganisationen sowie die direkte Nachbarschaft letztes Jahr im Rahmen eines partizipativen Prozesses die Gelegenheit, ihre Anliegen einzubringen. Diese Dialoggruppen können an zwei Partizipationsveranstaltungen im November zum Ergebnis des Studienauftragverfahrens erneut Stellung nehmen. Die Eingaben werden in die weiteren Projektarbeiten einbezogen.

Grundlage der Planungsarbeiten für das Zentrum Bethlehem bildet der im April 2020 vom Gemeinderat der Stadt Bern als behördenverbindlich genehmigte Masterplan Chantier Bethlehem West. Die wesentlichen Inhalte des Masterplans werden unter Federführung des Stadtplanungsamts derzeit in eine Überbauungsordnung überführt. Da es sich bei einer Überbauungsordnung um eine Änderung der baurechtlichen Grundordnung handelt, werden der Stadtrat und die Stimmberechtigten über dieses grundeigentümerverbindliche Planungsinstrument befinden können. Die Volks-
abstimmung findet voraussichtlich 2025 statt. Ein möglicher Baustart im Zentrum Bethlehem ist für 2026 vorgesehen.

Öffentliche Ausstellung vom 20. bis 31. Oktober 2022
Das Siegerprojekt des Studienauftragverfahrens sowie die weiteren Beiträge werden vom 20. bis 31. Oktober 2022 an der Weiermattstrasse 40, 3027 Bern (Zentrum Gäbelbach, Ladenpassage), der Öffentlichkeit präsentiert. Öffnungszeiten: werktags von 14 bis 18 Uhr, samstags, 13 bis 17 Uhr.

Hintergrundinformation
Neues Zentrum Bethlehem: Einkaufen, rund 200 neue Wohnungen und über 300 Arbeitsplätze.
Die Genossenschaft Migros Aare plant auf ihrer nördlich gelegenen Zentrumsparzelle, die an den Holenackerplatz grenzt, die Realisierung eines eigenen neuen Supermarktes mit zusätzlichen Drittmietern (vorwiegend Detailhandel). Zudem beabsichtigt sie, rund 130 Wohnungen mit 1,5- bis 5,5-Zimmerwohnungen zu erstellen, ein Drittel davon preisgünstig.
Auf dem südlichen Arealteil plant die gemeinnützige Wohnbauträgerschaft Baugenossenschaft Brünnen Eichholz – auf einem Baurechtsgrundstück des städtischen Fonds für Boden- und Wohnbaupolitik (Fonds) – die Realisierung von ca. 70 preisgünstigen 1,5- bis 5,5-Zimmerwohnungen.
Die Band-Genossenschaft wird ihren Standort auf die andere Seite der Riedbachstrasse in den südlichen Teil des Zentrumsareals verlegen und hier ebenfalls auf einem Baurechtsgrundstück des Fonds neue Gewerbe- und Dienstleistungsangebote aufbauen. Insgesamt sollen hier über 300 Arbeits- und Integrationsplätze realisiert werden. Am bisherigen Band-Standort sollen vorwiegend Wohnungen entstehen.

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