Sich hinter die Aufgaben zu klemmen hat mir mehr zu tun, als nur mit Disziplin. | Foto: zvg

Wie Kinder ohne Drama lernen können

Was es zum erfolgreichen Lernen wirklich braucht und wie wir Kinder und Jugendliche dabei unterstützen können, ihr inneres Lernfeuer zu erhalten. 

«Mein Kind könnte schon, wenn es nur wollte», hören wir von der ElternLehre oft an unseren Veranstaltungen und Kursen oder in Coachinggesprächen mit Eltern. Was hat es mit diesem «können» und «wollen» auf sich?

Lernen ist eine Kopf- und Herzangelegenheit

Beim Lernen geht es tatsächlich ums Können und Wollen. Damit ich etwas kann, braucht es Begabung und eine gewisse Intelligenz. Aber auch arbeitsorganisatorische Fähigkeiten, wie Entscheidungen treffen und Lernstrategien.

Für diese Kompetenzen ist der vordere Hirnbereich, der Frontalkortex, zuständig. Wir können sagen: Lernen/Können ist eine Kopfsache. Das Können ist aber nicht einziger Garant für schulischen Erfolg. Beim Lernen kommen auch innere Einstellungen und Gefühle ins Spiel. Wenn ich etwas nicht verstehe, bin ich frustriert oder ängstlich. Wenn mich etwas nicht interessiert, bin ich gelangweilt und unruhig. Stressen ein Kind die Lehrperson oder die Eltern, sind sie wütend oder enttäuscht. Lernen ist somit nicht nur Kopfsache, sondern auch Herzenssache, weil Emotionen im Spiel sind. Nehmen negative Gefühle beim Lernen überhand, ist das hintere Hirnareal, das Reptilienhirn und Herzstück der Emotionen, aktiv. Flucht, Angriff oder Erstarrung sind mögliche Bewältigungsstrategien. 

Was Grundbedürfnisse mit Lernen zu tun haben

Wie können wir Erwachsenen nun das innere Lernfeuer der Kinder entfachen, damit es Bereitschaft statt Widerstand zeigt, um ausdauernd und mit Frustrationstoleranz zu lernen? 

Dazu müssen wir das Kind ganzheitlich verstehen. Ob ein Kind sich beim Lernen gut fühlt oder nicht, hängt gemäss Kinderarzt Remo Largo stark mit unseren Grundbedürfnissen zusammen. Nebst den körperlichen Bedürfnissen haben wir auch psychische. Die vier wichtigsten sind diejenigen nach positiver Beziehung, sozialer Anerkennung, nach Kompetenz und nach Lustempfinden. Achten Lehrpersonen und Eltern darauf, diese Bedürfnisse grundsätzlich zu erfüllen, schaffen sie eine sichere Lernumgebung und die Kinder bleiben aktiv und interessiert, der vordere Hirnbereich arbeitet mit. Werden diese Grundbedürfnisse verletzt, verliert das Kind an schulischem Selbstvertrauen und an Motivation. Es kann minimalistisch und schulmüde werden. Das Modell der Grundbedürfnisse dient als Kompass, um klar handeln zu können und sich als Eltern zu fragen: «Was kann ich konkret tun, um beispielsweise das Kompetenzgefühl meines Kindes zu stärken?» Ein Schlüsselwort ist die Selbstwirksamkeit: Wie gelingt es, das Kind zum Experten seines Lernens zu machen? So wird der Satz: «Mein Kind könnte schon, wenn es nur wollte», umformuliert in: «Mein Kind will, auch wenn es nicht immer kann.»

In einigen unserer Veranstaltungen gibt die ElternLehre den Eltern und Lehrpersonen Impulse und Inspiration, wie man das Lernfeuer von Kindern bewahren kann.

Einfach erklärt

Lernen hat mit dem Hirn und mit dem Herzen zu tun. Kinder können besser lernen, wenn es ihnen gut geht. Auch Grundbedürfnisse sind wichtig. Zum Beispiel, dass ein Kind Sachen selber tun kann. 

News aus dem Verein ElternLehre, Nadine Fesseler-Besio

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